Der Kochlernende aus dem Restaurant de l’Hôtel de Ville in Crissier/VD gewinnt die Schweizer Austragung des Wettbewerbs. In der Kategorie Service holt sich Abigail Looser vom Bahnhöfli in Gams/SG den Titel.

Sieger Colin Gervaix (Mitte) mit Jean Claude Schmocker (links) und Thierry Fischer (rechts). (Bilder ZVG)
Elf junge Berufsleute aus Küche und Service traten im Ausbildungszentrum Wäbi der Hotel & Gastro formation in Wädenswil/ZH zum Schweizer Finale der Jeunes Talents Escoffier an. In seiner Begrüssung betonte Thierry Fischer, Präsident der Disciples Escoffier Schweiz, die Bedeutung der Wissensweitergabe. Köchinnen, Köche und Restaurationsfachleute verschiedener Generationen hatten den Wettbewerb gemeinsam vorbereitet und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Den Siegern beider Kategorien eröffnet sich der Weg zum Europafinale, das seit vergangenem Jahr zum Wettbewerb gehört, und zum Weltfinale, das traditionell in geraden Jahren in Paris stattfindet.
Alle Teilnehmenden wurden von ihrem Coach begleitet. Alle bis auf einen: Colin Gervaix, Kochlernender im dritten Lehrjahr im Restaurant de l’Hôtel de Ville in Crissier. Er setzte sich nach einem vierstündigen Wettbewerb zum Thema Wild durch. Die Degustationsjury überzeugte er mit seiner Interpretation von Reh mit Waldpilz-Pommes-Anna, einer Butternusskürbis-Garnitur und Sauce Grand Veneur. Auch sein Kaffee-Eclair überzeugt: mit knusprigem Brandteig, einer glatten Crème pâtissière und klaren Aromen.
Colin Gervaix hatte bereits im Frühling die 28. Ausgabe des Waadtländer Wettbewerbs für den besten Kochlernenden gewonnen und war beim Goldenen Koch 2023 als bester Commis ausgezeichnet worden. Die Freude über einen weiteren Erfolg war ihm nach der Preisverleihung anzumerken. «Die Begeisterung lässt nicht nach. Wettbewerbe sind eine grossartige Erfahrung. Man bekommt einfach Lust auf mehr», sagte der 21-Jährige, der sich mit Unterstützung der Küchenbrigade von Franck Giovannini vorbereitet hatte.
Die Wildgerichte bereiteten ihm weniger Sorgen. Sie gehören in Crissier zum klassischen Repertoire. Mehr Respekt hatte er vor dem Eclair. «Es ist ein technisch anspruchsvolles Dessert, auch wenn es einfach aussehen mag. Ich hatte zuvor noch nie wirklich Eclairs gemacht. An einem Tag war das Ergebnis in Ordnung, am nächsten eine Katastrophe», erzählte der Sieger. Mit Unterstützung des Patisserie-Teams übte er viel. Der Aufwand zahlte sich aus.
Hinter Colin Gervaix belegte Euliana Batista Pereira vom Centro Somen in Bellinzona/TI den zweiten Platz. Dritter wurde Kelyan Prud’homme von der Auberge Communale in Mont-sur-Lausanne/VD.

Die Teilnehmenden der Kategorie Service mit Siegerin Abigail Looser rechts neben Thierry Fischer.
Im Service drehte sich alles um die Welt der Grandhotels. Vom Tischdecken bis zur Verabschiedung der Gäste mussten die Teilnehmenden ihr Können zeigen. Dazu gehörten auch das Mixen alkoholfreier Cocktails, die Zubereitung von Kaffeegetränken und das Arbeiten am Gästetisch.
Mehrere Punktgleichheiten sorgten für ein aussergewöhnliches Podest: Jade Baer (Kunos, Steckborn/TG), Caroline Brüniger (Waldmannsburg, Dübendorf/ZH) und Jens Vilaysane (Brasserie Lok, St. Gallen) teilen sich den dritten Platz. Gemeinsam auf Rang zwei stehen Svetha Thillainathan (Castello Seeschloss, Ascona/TI) und Matteo Angelo Rausa (Landgasthof Seelust, Egnach/TG). Der Sieg ging an Abigail Looser vom Bahnhöfli in Gams.
Marc Gay, der als Experte im Einsatz stand, lobte das hohe Niveau. «Die geringen Punkteabstände zeigen, wie gut die Teilnehmenden waren und mit welchem Engagement sie sich vorbereitet haben. Am Ende gaben wenige Details den Ausschlag», sagte das Mitglied des nationalen Vorstands des Berufsverbands Restauration.
Für die beiden Sieger steht als Nächstes das Europafinale an, das im Oktober 2027 in London stattfinden soll. «Am meisten freut uns, dass wir Finalistinnen und Finalisten aus den drei grössten Sprachregionen des Landes zusammenbringen konnten. Sie stellten ihre Gerichte auf Französisch, Italienisch und Deutsch vor und brachten unterschiedliche Küchenstile ein», erklärte Thierry Fischer.
Sein Dank gilt allen Mitgliedern der Disciples Escoffier, die sich am Anlass und im Vorfeld engagiert haben. «Dieses Finale ist das Ergebnis eines Jahres Arbeit, getragen von unserer Leidenschaft für die Gastronomie und die Weitergabe unseres Wissens», sagte der Schweizer Präsident.
(Patrick Claudet)