Natalie Seifert ist Head of Marketing bei Orderbird. Sie weiss, welche Trends das Gastgewerbe 2026 bewegen. Einer davon heisst «Newstalgia».

«Ein emotionales Erlebnis entsteht, wenn klassische, aus der Kindheit bekannte Gerichte mit einem modernen Twist oder einer überraschender Zutat kombiniert werden», sagt Natalie Seifert.
Retro ist in der Tat kein neuer Trend. Nostalgie ist ein sehr starkes Gefühl. Frühere Trends kommten immer wieder, weil Menschen schöne Erinnerungen mit der vergangenen Zeit verbinden. Es ist insofern nicht verwunderlich, dass dieser Trend auch in der Gastronomie ankommt. Beim Newstalgia ergibt sich dabei auch ein zusätzlicher Marketingvorteil: Klassische Gerichte oder bekannte Geschmackserlebnisse wecken positive Gefühle. Restaurants und Cafés können dies gezielt nutzen, um sich abzuheben, ein besonderes Erlebnis zu schaffen und die emotionale Bindung zu den Gästen zu stärken.
Eine sehr grosse: Newstalgia lebt von Erinnerungen. Kindheitserlebnisse, Familienessen oder Lieblingsgerichte aus dem Urlaub erzeugen Emotionen und Verbundenheit. Gäste geniessen die Gerichte nicht nur wegen des Geschmacks, sondern auch, weil sie positive Erinnerungen wachrufen. Besonders stark wird der Trend, wenn klassische Elemente mit einem modernen Twist oder einer überraschenden Zutat kombiniert werden. So entsteht ein emotionales Erlebnis, das zugleich neu und spannend wirkt.
Newstalgia kombiniert Nostalgie mit modernen Interpretationen. Es geht darum, vertraute Klassiker neu zu denken, sei es durch innovative Zutaten, moderne Zubereitung oder neue Präsentation. Gäste sollen Bekanntes wiedererkennen, aber gleichzeitig überrascht und begeistert werden. Der Trend vereint also Vergangenheit und Gegenwart auf kreative Weise.
Entscheidend ist die Balance zwischen authentischem Geschmack und kreativer Neuinterpretation. Das Gericht sollte weiterhin vermitteln, was die Gäste am Original schätzen. Doch gleichzeitig soll es ein neues Geschmackserlebnis bieten. Beispielsweise durch neue Zutaten, Texturen oder Zubereitungsarten. Klassiker können so durch ungewöhnliche Kombinationen, innovative Verarbeitung oder modernisierte Portionen und Präsentation ganz neu erlebt werden. Dies ohne den Kern des Gerichts zu verlieren. So bleibt das Erlebnis vertraut, wirkt aber frisch und zeitgemäß.
Bei Gästen kommen vor allem Gerichte gut an, die vertraute Geschmackserlebnisse mit modernen Akzenten verbinden oder kreative Comfort-Food-Varianten. Schwieriger wird es, wenn die Neuinterpretation zu weit vom Original entfernt ist, der ursprüngliche Charakter kaum noch erkennbar ist oder der Fokus mehr auf spektakulären Effekten als auf dem Geschmack liegt. Entscheidend ist, dass der Genuss im Vordergrund steht und die Kreativität dem Gericht wirklich dient.
Bild- und Textsprache sollten Geschichten erzählen, die Erinnerungen wecken, gleichzeitig aber modern und frisch wirken. Nostalgische Elemente, wie klassische Schriftarten, Vintage-Designs oder Retro-Farben, funktionieren gut, solange sie mit klaren, zeitgemäßen Bildern kombiniert werden. Ziel ist, Vertrautheit und Neuheit gleichzeitig zu kommunizieren.
Reine Newstalgia-Konzepte, bei denen sich ein ganzer Betrieb ausschließlich auf diesen Trend fokussiert, gibt es kaum. Viel häufiger wird Newstalgia punktuell in bestehende Konzepte integriert, als kreative Ergänzung zur Karte, saisonales Special oder Signature-Dish. Ein gutes Beispiel dafür ist der Ramen-Burger, der 2013 in New York entwickelt wurde und sich seitdem als kreative Fusion etabliert hat. Auch klassische deutsche Gerichte wie Sauerbraten werden in manchen Betrieben modern interpretiert, etwa als Sandwich oder mit ungewöhnlichen Beilagen. Der Trend lebt also vor allem von dieser flexiblen Nutzung. Er ist ein kreatives Element, das sich in bestehende Angebote einbinden lässt und kreativen Freiraum bietet, ohne dass sich Betriebe komplett darauf festlegen müssen.
(Riccarda Frei)