Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement EJPD will mehr Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integrieren und damit auch die Sozialkosten senken. Für das Gastgewerbe haben die Branchenverbände einen Lösungsvorschlag erarbeitet. Wie dieser aussieht, erklärt Oliver Schärli, HGU-Geschäftsleiter, im Interview.

Mit dem neuen Integrationsprogramm können Geflüchtete ein Jahr lang in der Gastronomie arbeiten und ausgebildet werden. (Keystone-SDA)
Das Gastgewerbe kennt seit vielen Jahren niederschwellige Einstiegskurse. Diese sind heute jedoch sehr unterschiedlich ausgestaltet und kaum miteinander vergleichbar. Mit dem neuen nationalen Branchenzertifikat schaffen wir einen einheitlichen Qualitätsstandard. Vermittelt werden genau jene beruflichen und sprachlichen Kompetenzen, die es für einen gelungenen Einstieg in unsere Branche braucht. Gleichzeitig soll das Zertifikat sicherstellen, dass danach der Anschluss an die reguläre Berufsbildung möglich bleibt.
Es geht gerade nicht darum, zusätzliche Programme zu schaffen. Ziel ist vielmehr, bestehende Angebote zu vereinheitlichen und qualitativ vergleichbar zu machen. Heute gibt es viele Einstiegskurse mit sehr unterschiedlichen Standards. Das Branchenzertifikat definiert erstmals klar, welche Kompetenzen vermittelt werden müssen. Zudem stellt es sicher, dass der Anschluss an die formale Berufsbildung gewährleistet ist.
Nein. Die Mindestlöhne des L-GAV gelten uneingeschränkt – auch für Teilnehmende dieses Programms. Lohndumping darf und wird es nicht geben.

Oliver Schärli, Geschäftsleiter der Hotel & Gastro Union
Nein, die Branche leidet heute unter einem Arbeitskräftemangel. Wenn es gelingt, geflüchtete Menschen in unsere Branche zu integrieren, entlastet das auch die bestehenden Mitarbeitenden, die gerade in der Hochsaison stark beansprucht sind. Für uns bleibt zudem zentral, möglichst vielen Menschen einen formalen Bildungsabschluss zu ermöglichen. Deshalb war von Beginn an wichtig, dass mit dem Branchenzertifikat der Anschluss an die formale Bildung – also EBA oder EFZ – gegeben ist.
Ziel ist es, im Herbst 2026 in zwei Pilotkantonen zu starten. Das Konzept sieht vor, dass die Teilnehmenden von Beginn an in einem Betrieb arbeiten und an einem Tag pro Woche die Schule besuchen. Dort werden ihnen die notwendigen beruflichen Grundkompetenzen und Sprachkenntnisse vermittelt.
Ja, in den ersten sechs Monaten soll das Programm über die Integrationsmittel finanziert werden, die Bund und Kantone bereits heute bereitstellen. Ab dem siebten Monat übernehmen die Betriebe die Lohnkosten.
Das Potenzial ist erheblich. Viele Menschen in der Schweiz erfüllen heute die Voraussetzungen für ein solches Branchenzertifikat.
Ja, nach dem erfolgreichen Abschluss des Programms stehen den Absolventinnen und Absolventen grundsätzlich alle Wege der Berufsbildung offen. Es wäre natürlich schön, wenn sich möglichst viele von ihnen für ein Berufsattest oder eine Berufslehre in einem Beruf unserer schönen Branche entscheiden würden. Ihnen stehen aber auch Ausbildungen in anderen Branchen offen. Entscheidend ist: Das Branchenzertifikat schafft Perspektiven, fördert Integration und stärkt die Professionalität und Attraktivität unserer Branche.
(Jörg Ruppelt)