Vom Bar-Neuling zum Schweizer Meister

Baris Aydin ist der neue Schweizer Cocktail-Meister. Mit dem Sieg überraschte er sich selbst am meisten.

Die Swiss Cocktail Championships 2026 fanden im Hotel Deltapark Gwatt am Thunersee statt. Baris Aydin gewann die Classic-Kategorie. Bilder Steven Kohl

Ende März hielt Baris Aydin im selben Hotel, in dem er die ersten Schritte in der Gastronomie gemacht hat, den Siegerpokal als Swiss Cocktail Champion in den Händen. Er sei überwältigt gewesen, erzählt der Barkeeper. «Ich habe mitgemacht, um unseren Betrieb zu repräsentieren und eine gute Leistung zu bringen. Mit dem Sieg hätte ich aber nie gerechnet.»

Aydins Bar-Karriere startete nämlich erst vor rund drei Jahren mit einem mutigen Schritt. Nach 16 Jahren im Restaurant Waisenhaus in Thun/BE, zuletzt als Geschäftsführer, brauchte er eine Veränderung. «Es wurde mir damals etwas zu viel, ich hatte keine Zeit mehr für meine Familie.» Er wechselte zu seinem langjährigen Freund Ivan Urech in die Atelier Classic Bar. Plötzlich war er wieder ein normaler Mitarbeiter, der alles von Grund auf lernen musste. Über 200 Rezepte waren es, Klassiker und Specials, die er sich einprägte. «Heute bin ich soweit, dass ich weiss, wie gute Drinks funktionieren und mit den Wünschen eines Gastes etwas kreieren kann. Diese Fähigkeit kann mir niemand mehr nehmen.»


«Ich bin zuerst Gastgeber, dann Barkeeper und Mixologe.»

Baris Aydin, Schweizer Meister


Eigentlich sollte die Bar nur ein Zwischenstopp für die Neuorientierung sein. Daraus sind drei Jahre geworden. Er absolvierte in der Zeit verschiedene Kurse und Weiterbildungen und widmete sich in der Bar den Themen Kundenbindung und Gästebetreuung. Im Februar schloss Baris Aydin ausserdem die Weiterbildung zum Restaurantleiter ab. Kurz darauf folgte der Entscheid, bei den Cocktail-Meisterschaften mitzumachen. Drei Wochen blieben, um sich vorzubereiten, alle Handgriffe zu trainieren und für den Wissenstest zu lernen. Am Wettbewerb selbst sei er ganz ruhig gewesen. «Ich trat ohne grosse Erwartungen an und fühlte mich durch meine Prüfungen im Februar gut darauf vorbereitet, vor Publikum aufzutreten.»

An die Weltmeisterschaft

Sein ruhiges Auftreten, sein Fachwissen und nicht zuletzt sein Drink mit dem Titel «Love is in the Air» verhalfen ihm schliesslich zum Sieg. Ohne das gemeinsame Training im «Atelier»-Team wäre das nicht möglich gewesen. In seinen Cocktail hat der Schweizer Meister viel Liebe gesteckt. «Ich bin ein Romantiker, das sollte der Drink auch widerspiegeln.»

Einen weiteren Cocktail wird er für die Weltmeisterschaft entwerfen, die im Oktober in Macau (CN) stattfindet. «Das ist eine einmalige Gelegenheit, auf die ich mich sehr freue», sagt der Thuner mit türkischen Wurzeln, der auch in seiner Freizeit sehr gerne reist und neue Orte entdeckt. Wenn der Wettbewerbsrummel vorbei ist, will sich Baris Aydin nach einem neuen Wirkungsfeld umsehen. «Die Bar ist mir ans Herz gewachsen, aber es reizt mich auch, alles, was ich in meinen Weiterbildungen gelernt habe, in einem neuen Betrieb als Restaurantleiter umzusetzen.»

(Alice Guldimann)


Rezept: Love is in the Air
Zutaten

4 cl Sarti Rosa

2 cl Malfy Gin

2 cl Timur Berry

1 cl Supasawa

2 ds Salzlösung

4 cl Pink Grapefruit Soda

Zubereitung

Alle Zutaten auf Eis rühren. Mit Pink Grapefruit Soda aufgiessen und anschliessend in ein Coupette-Glas abseihen.