Branchen-Einstieg für Erwachsene: Pilotprojekte in Basel und Luzern

Migranten, Quereinsteigende und Arbeitssuchende sollen künftig einfacher ins Gastgewerbe einsteigen können. In Basel-Stadt und Luzern starten bald zwei Pilotprojekte.

Das Qualifikationsprogramm kombiniert die Arbeit im Betrieb mit Sprach- und Fachkursen. (Unsplash)

Es existiert eine Vielzahl unterschiedlicher kantonaler Angebote, Qualifikationen und Finanzierungen für die Grundqualifikation von erwachsenen Migranten, Quereinsteigenden oder Arbeitssuchenden. Die Sozialpartner Gastrosuisse, Hotelleriesuisse und die Hotel & Gastro Union haben entschieden, neue Wege für eine bessere Arbeitsmarktintegration zu gehen: Mit einem Jahresarbeitsvertrag und gleichzeitiger Fach- und Sprachausbildung soll die Chance der Betroffenen auf den dauerhaften Einstieg in die Berufswelt massgeblich verbessert werden.

Die Lösung heisst «Hotel Gastro 365 ­– das Qualifikationsprogramm für nachhaltige Arbeitsmarktintegration» von Hotel & Gastro Formation Schweiz.  Im Zentrum steht der Bedarf einer schweizweit einheitlichen Zielkompetenz für eine Grundqualifikation sowie der Sicherstellung der Anschlussfähigkeit an die formale Bildung (EBA/EFZ). Damit sollen nicht nur Chancen für Bildungswillige entstehen, sondern auch der anhaltende Fachkräftemangel im Gastgewerbe entschärft werden. 

So läuft das Jahr ab

Nach der Zuweisung durch ein Regionales Arbeitsvermittlungszentrum RAV, die IV oder die Asyl-/Integrationsstelle forgen zwei Wochen Onboarding mit Zuweisung eines Praxisbetriebs. Danach folgt der Start im Betrieb mit 80 Prozent praktischer Tätigkeit und 20 Prozent Theorie- und Sprachkurs. Nach sechs Monaten ist die erste Qualifikationsstufe von Hotel Gastro 365 erreicht. Danach folgen weitere sechs Monate, in denen die Teilnehmenden weiterhin 80 Prozent im Betrieb arbeiten. Dazu kommen 20 Prozent mit einem Progresso- und einem branchenspezifischen Sprachkurs. 

Nach 12 Monaten haben die Teilnehmenden ein Progresso-Branchenzertifikat sowie ein Arbeitszeugnis aus dem ersten Arbeitsmarkt in der Tasche. Während die Bildungs- und Lohnkosten in den ersten sechs Monaten massgeblich durch die kantonal zuständigen Behörden finanziert werden, folgt in den folgenden sechs Monaten eine durch den L-GAV finanzierte Progresso-Ausbildung sowie die Zahlung des L-GAV Mindestlohns durch den Praxisbetrieb, sofern dieser zwingend dem L-GAV unterstellt ist. Laut Mitteilung entstehe so eine gleichmässige Kostenaufteilung zwischen Behörden und Branche. 

Pilotprojekte starten im Spätsommer

Das Qualifikationsprogramm soll schweizweit standardisiert angeboten werden. Zunächst haben sich die Kantone Basel-Stadt und Luzern für die Pilotprojekte zur Verfügung gestellt: Als Umsetzungspartner konnte der Verein Sonnenberg in Kriens mit dem Integrationskurs «Hotel-Gastro Go!» gewonnen werden. Der Verein ist in beiden Kantonen tätig und durch Hotel & Gastro Formation Schweiz zertifiziert. Die Kurse starten am 17. August 2026 in Basel und am 8. September 2026 in Luzern. Falls die Pilotprojekte sich bewähren, ist ein nationaler Roll-out geplant. 

(mm/agu)


Hier können sich Interessierte informieren: 

Weitere Informationen sind unter hotelgastro.ch/hotelgastro365 zu finden. Interessierte Kantone, Institutionen oder mögliche Praxisbetriebe können sich direkt an Sabrina Camenzind, Direktorin von Hotel & Gastro Formation Schweiz, wenden.