Temperaturen von um die 40 Grad Celsius werden in der Schweiz zunehmend Realität. Emily Grossmann vom Beratungsunternehmen Hospitality Inside Out gibt Tipps, wie man die Hitzetage im Gastgewerbe bestmöglich übersteht.

Vor allem in den Städten, wo wenig Grünes vorhanden ist, wird die Hitze unerträglich. (Bild Pexels)
Viele arbeiten mit Lösungen, die den Körper akut abkühlen, zum Beispiel ein nasses Tuch im Nacken. Das ist etwas, was sicher schnell helfen kann. Es gibt aber weitere Ansätze, wie man sich in der Hitze Abhilfe schaffen kann.
Man würde in diesen Tagen zwar gerne eiskalte Getränke zu sich nehmen, das ist aber leider nicht ideal. Der Körper muss viel mehr arbeiten, um die kalte Flüssigkeit auf Eigentemperatur zu bringen. Das sorgt wiederum dafür, dass man mehr schwitzt. Es muss kein warmer Tee sein, aber auf Eisgekühltes sollte man verzichten. Im schlimmsten Fall kann es die Überhitzung verstärken und das Fass zum Überlaufen bringen.
Genau. Es ist sehr wichtig, die Elektrolyte-Zufuhr nicht zu vergessen. Beim Schwitzen verlieren wir auch Salz. Da kann eine simple Bouillon aushelfen, um den Salzgehalt im Körper zu erhalten. Oder auch salzige Snacks können sinnvoll sein. Fehlen die Elektrolyte, kommt es zunehmend zu Erschöpfung und anderen körperlichen Symptomen.
Man sollte sicher darauf achten, möglichst leicht zu essen. In der Gastronomie gibt es für die Mitarbeitenden oft viele Kohlenhydrate. Das geht schon, aber es sollten eher kleinere Portionen sein. Ziel ist, dass der Körper möglichst wenig Verdauungsarbeit leisten muss. Auch wasserhaltige Früchte sind in der Hitze sehr hilfreich, wie Wassermelone oder Äpfel.

Emily Grossmann will dazu beitragen, Krankheitstage und Erschöpfung in der Branche zu minimieren.
Bei der Hitze macht es Sinn, häufiger kleine Pausen einzulegen statt eine grosse. Dann hat man Zeit, Wasser oder Bouillon zu trinken und der Körper kann etwas herunterfahren.
Die goldene Regel «Nie leer laufen» gilt bei Hitze umso mehr. Wer mehr Schritte geht, schwitzt auch mehr. Man sollte seine Laufwege so planen, dass man seine Energie möglichst konservieren kann. Sonnenschirme sollten möglichst nur dann geöffnet sein, wenn Gäste da sind. Darunter staut sich sonst die Hitze, was die Arbeit für die Mitarbeitenden im Service noch ein paar Grad wärmer macht.
Ein leichtes Unterhemd nimmt den ersten Schweissausbruch auf und bietet eine Art Schutzschild. Es hält die Haut und auch das Oberhemd länger trocken. Wenn es der Dresscode erlaubt, kann man eine etwas lockerere Bluse tragen, damit nicht alles so eng anliegt und der Körper ein bisschen abkühlen kann. Zudem gibt es verschiedene kühlende Hilfsmittel für den Nacken oder die Handgelenke, die den Komfort bei der Arbeit etwas erhöhen können.
Jeder Ofen, der läuft, heizt den Raum noch mehr auf. Wenn möglich, sollte man alle Vorbereitungen, die Hitze erfordern, in den frühen Morgenstunden oder am Abend erledigen. Was unter normalen Bedingungen schon heiss ist, wird in einer Hitzewelle zu einem wahrlichen Backofen. Eine etwas verkleinerte Karte kann auch dazu beitragen, dass die Küche nicht komplett überlastet wird.
Eine Notfallpause einlegen, wenn möglich in einem kühleren Raum. Nacken und Handgelenke kühlen, trinken und Salz zu sich nehmen. Nach zehn Minuten schauen, ob es wieder geht. Wenn Symptome wie Schwindel oder Übelkeit auftreten, sollte man sich hinlegen und die Füsse hochlagern.
Wichtig ist vor allem die Kommunikation, dass es in Ordnung ist, wenn bei 40 Grad Aussentemperatur nicht alles gleich schnell läuft wie sonst. Teamleiter sollten dazu ermutigen, mehrere kleinere Pausen zu machen und genug zu trinken. Und darauf hinweisen, wo die Mitarbeitenden Bouillon, Getränke und Abkühlungsmöglichkeiten finden.
(Alice Guldimann)
Wer in der Hitze aktiv ist, nicht genügend trinkt und auf Sonnenschutz achtet, riskiert eine starke Überhitzung und unter Umständen schwere gesundheitliche Folgen. So unterscheiden sich Hitzeerschöpfung, Sonnenstich und Hitzschlag:
Sowohl bei Sonnenstich als auch bei Hitzekrämpfen und Hitzeerschöpfung sollte man sich in einen kühlen Raum begeben, abkühlen, trinken und Elektrolyte zufügen. Gegebenenfalls die Beine hochlagern. Tritt keine Besserung auf oder bei besonders schweren Symptomen einen Arzt aufsuchen. Bei Bewusstlosigkeit oder Verdacht auf einen Hitzschlag handelt es sich um einen medizinischen Notfall (Tel. 144) und muss sofort ärztlich behandelt werden.
Mehr Informationen gibt es hier.
Bei Hospitality Inside Out steht die Gesundheit von Mitarbeitenden im Gastgewerbe im Fokus. Emily Grossmann, Absolventin der Ecole Hôtelière de Lausanne, gründete das Unternehmen am 1. Juli 2026 und bietet Talks, Schulungen und direkt einsetzbare Werkzeuge für stressige Situationen im Gastroalltag. Hospitality Inside Out unterstützt Hotelgruppen, eigenständige Betriebe und Führungskräfte in der gesamten DACH‑Region. Grossmann will dazu beitragen, die Fluktuation, Krankheitstage und Erschöpfung in der Branche zu reduzieren.