Die Tagung Chefs de Cuisine Suisses ist ein Muss für alle Schweizer Küchenchefs. Dort werden nicht nur Ideen ausgetauscht, sondern auch Freundschaften gepflegt.
Dass wir alle hier zusammenkommen dürfen, ist alles andere als selbstverständlich», sagte Thomas Nussbaumer, Präsident des Schweizer Kochverbands, bei der Begrüssung der Teilnehmenden. «Der Alltag von Küchenchefinnen und Küchenchefs ist geprägt von Verantwortung, langen Arbeitstagen und einem hohen Tempo.» Dass sich dennoch fast 200 Interessierte im Centre Löwenberg in Murten/FR einfanden, um sich Zeit für Begegnungen und neue Ideen zu nehmen, freute ihn umso mehr. Er ist überzeugt: «Die besten Ideen entstehen selten alleine, sondern im Gespräch, beim gemeinsamen Kochen und beim offenen Austausch unter Berufskolleginnen und -kollegen.»
Denn zu viele Köche verderben keineswegs den Brei – das sagte auch Bundeskanzler Viktor Rossi, der selbst eine Kochlehre absolviert hat, in seiner Rede. Nicht nur das politische System der Schweiz beruhe darauf, dass viele mitreden, sondern auch der Erfolg der Gastrobranche. «Die Küche ist die beste Lebensschule», so Rossi. Man lerne, im Team zu arbeiten, unter Druck einen kühlen Kopf zu bewahren und auch in stressigen Situationen respektvoll zu bleiben.
Die alle zwei Jahre stattfindende Tagung Chefs de Cuisine Suisses soll ein Ort sein, an dem Ideen entstehen, Erfahrungen geteilt und neue Perspektiven gewonnen werden. Die fachlichen Inputs drehten sich bewusst um zukunftsgerichtete Akzente. Sie präsentierten aktuelle Entwicklungen und zeigten auf, wie sich Betriebe erfolgreich weiterentwickeln können. So stellte beispielsweise Nico Schefer, wissenschaftlicher Mitarbeiter Hospitality Management an der ZHAW, die Frage, ob bald die Roboter in den Schweizer Restaurants Einzug halten. Fest stehe, dass sich der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird. Dagegen helfen vor allem zwei Rezepte: den Berufsstand stärken und die Arbeits-bedingungen anpassen. «Alte Führungstechniken haben ausgedient», so Schefer – künftig sei mehr Menschlichkeit gefragt. Der scheinbare Siegeszug der künstlichen Intelligenz könnte der Branche zudem in die Karten spielen. Denn: «Wohin gehen all die Büromitarbeiter, wenn ihre Jobs durch KI ersetzt werden? Die Gastronomie ist dank Handwerk und sozialer Interaktion weniger von einem solchen Abbau gefährdet.»
Auch Hospitality-Expertin Krumma Jonsdottir plädierte für mehr Menschlichkeit, insbesondere bei Führungspersonen. «Wir müssen aufhören, von Soft Skills zu sprechen», meinte sie. Denn Fähigkeiten wie Empathie, Zuhören oder der Umgang mit Gefühlen seien keinesfalls «soft», sondern absolut entscheidend für den Erfolg von Teams und Betrieben. Sie rief dazu auf, die Mitarbeitenden schon in der Schule auch in diesem Bereich zu trainieren.
In weiteren Referaten sprach Christine Schäfer, Senior Researcher am Gottlieb Duttweiler Institut, über die Feel-Good-Revolution: wie Gesundheit, Schönheit und Ernährung immer mehr verschmelzen. Monika Reinau von Ibex Fairstay stellte die Zertifizierung vor und erklärte, wie Nachhaltigkeit vom Kostenfaktor zum Wettbewerbsvorteil werden kann. Reto Walther, Bereichsleiter Bildungsangebot bei der Hotel & Gastro Formation Schweiz, infor-mierte zudem über die aktuellen Projekte der Bildungsorganisation, zum Beispiel zum Stand der derzeit laufenden Revision der höheren Berufsbildung.
Auch die Wertschätzung und Förderung des Nachwuchses hat sich die Tagung auf die Fahne geschrieben. So wurden während der zwei Tage die kantonsbesten Kochlernenden von Starkoch Franck Giovannini sowie die besten Absolventen der höheren Berufsbildung von Reto Walther geehrt.
Zwischen den Programmpunkten blieb genug Zeit, um sich auf dem eigens aufgestellten Marktplatz zu verköstigen und den Austausch in gemütlicher Runde fortzusetzen. Denn auch davon lebt die Tagung des Schweizer Kochverbands: bestehende berufliche Verbindungen und Freundschaften zu pflegen sowie neue zu knüpfen. Thomas Nussbaumer zog denn auch ein positives Fazit: «Es waren zwei Tage, die uns mit neuen Ideen und neuer Motivation nach Hause fahren lassen.»
(Angela Hüppi)