Die Vorlage will die inländische Produktion stärken, Biodiversität und Trinkwasser schützen. Warum sich trotzdem keine Partei hinter die Initiative stellt.

Die Initianten wollen mehr Fläche für pflanzliche Lebensmittel. (LID)
Die Schweizer Landwirtschaft produziert aktuell etwas weniger als die Hälfte des Bedarfs an Lebensmitteln, der Rest wird importiert. Die Ernährungsinitiative will den Selbstversorgungsgrad auf mindestens 70 Prozent steigern. Flächen besser nutzen, indem mehr pflanzliche und weniger tierische Lebensmittel produziert werden, lautet die Devise. Landwirte sollen zudem weniger Pflanzenschutzmittel und Dünger einsetzen, zum Schutz von Biodiversität und Trinkwasser. Die Initianten setzen für die Umsetzung einen Zeithorizont von zehn Jahren. Sie argumentieren unter anderem damit, dass die Schweiz mit dem aktuellen Versorgungsgrad nicht auf Mangellagen vorbereitet sei. Gleichzeitig soll eine nachhaltigere Landwirtschaft Böden, Biodiversität und Trinkwasser und damit die langfristigen Grundlagen der Lebensmittelproduktion im Inland erhalten.
Treibende Kraft hinter der Ernährungsinitiative ist die Berner Umweltaktivistin Franziska Herren. Sie ist Präsidentin des Vereins «Sauberes Wasser für alle», der bereits hinter der Trinkwasserinitiative stand, die 2021 abgelehnt wurde. Zu den Unterstützern der aktuellen Initiative gehören Einzelpersonen und kleinere Organisationen wie der Verein Soil to Soul oder die Klimaseniorinnen. NGOs wie Greenpeace oder Pro Natura hatten das Anliegen in der Unterschriftensammlung unterstützt, zogen sich aber nach dem Zustandekommen zurück. Auch politisch hatte die Initiative von Anfang an einen schweren Stand. In der Abstimmung im Parlament erhielt sie keine einzige Ja-Stimme, heute steht keine der grossen Parteien dahinter.
Auch den Grünen geht die Vorlage zu weit, sie haben Stimmfreigabe beschlossen. Man begrüsse zwar die Stossrichtung der Vorlage, schreibt die Partei. Ein starrer Selbstversorgungsgrad innerhalb von zehn Jahren sei jedoch unrealistisch. Diesen unter Zeitdruck umzusetzen, könne für die Umwelt gar kontraproduktiv sein.
Auch die Branchenverbände aus dem Gastgewerbe und dem Tourismus – Gastrosuisse, Hotelleriesuisse und der Schweizer Tourismusverband STV – lehnen die Initiative ab. Der STV befürchtet beispielsweise, dass der geforderte tiefgreifende Umbau der Lebensmittelproduktion die kulinarische Vielfalt im Schweizer Tourismus gefährdet und die Lebensmittelkosten für dessen Leistungsträger erhöht.
(agu)