Brasserie statt Konfi

Auf dem ehemaligen Hero-Areal in Lenzburg/AG befindet sich die Hotel-Brasserie Barracuda.

Im «Barracuda» gibt es in der Brasserie 140 Sitzplätze, 30 in der angrenzenden Lounge und 30 auf der Terrasse. (Bilder ZVG)

Gut ein halbes Dutzend Mitarbeitende versammeln sich um Patrice Montandon, Sous-chef in der Brasserie Barracuda. In wenigen Worten liest dieser das aktuelle Mittagsmenü vor. Die Mitarbeitenden im «Barracuda» sind eine Mischung aus insgesamt zehn Fachpersonen mit gastronomischer Grundausbildung und bis zu 30 Personen, die sich in einem Eingliederungsprogramm befinden. Das «Barracuda» gehört zur Trinamo AG aus Aarau. Das Sozialunternehmen integriert Menschen mit einer Leistungseinschränkung in den Arbeitsmarkt.

Wer geschult und wer angelernt ist, lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen. «Das ist gewollt so, alle tragen die gleiche Uniform in der Form eines beschrifteten T-Shirts», so Betriebsleiterin Thabata Rhomberg. «Die Fachpersonen schulen die Ungelernten und teilen sie so ein, dass sie nicht überfordert sind. Jeder macht so viel, wie er kann, um den Gästen ein gastronomisches Erlebnis zu bieten.»

Thabata Rhomberg hat im «Barracuda» ihren Traumjob gefunden. «Die Kombination von Gastronomie und sozialem Engagement entspricht mir», sagt sie. Als Basis hat sie das Wirtepatent gemacht und eine Weiterbildung zur Betriebsleiterin absolviert. Zudem erlebte sie zwei Schicksalsschläge, die ihr Leben prägten. Ihr Vater erlitt einen Hirnschlag, ihr Bruder sitzt wegen eines Motorradunfalls im Rollstuhl. «Diese Ereignisse helfen mir bei meiner jetzigen Aufgabe, weil ich ein Gespür für Menschen entwickelt habe, die in irgendeiner Form beeinträchtigt sind.»

Das grätenartige Dach der Shedhalle inspirierte zum Brasserienamen Barracuda. 

Wie es zur Brasserie kam

Die Ursprünge der Hero gehen auf 1886 zurück. Ende 2024 hat das Unternehmen die Produktion ins Ausland ausgelagert. Der Hauptsitz befindet sich aber noch immer in Lenzburg. Als dafür 2011 ein neues Gebäude errichtet wurde, gab Hero ein Areal mit 61 500 Quadratmetern für eine neue Nutzung frei. Es entstand das Quartier Im Lenz mit einer Mischung aus Wohnungen und Firmen. Die historische Shedhalle, der Standort des «Barracuda», blieb stehen und erinnert an die einstige Nutzung.


Im «Barracuda» gibt es neben Bar und Brasserie auch Hotelzimmer.


Seit gut zehn Jahren betreibt die Trinamo AG hier die Hotel-Brasserie Barracuda. «Die Mischung aus Wohnen und Arbeiten im Quartier ist für uns eine ideale Basis», hält Thabata Rhomberg fest. «Einerseits kommen zahlreiche Mitarbeitende der umliegenden Firmen über Mittag zu uns essen, andererseits geniessen viele Pärchen abends die besondere Atmosphäre in unserer Brasserie.» Diese ist eine Mischung aus Industriecharme und dem romantischen Licht des riesigen Kronleuchters, der über den Gästen schwebt. Highlight der Brasserie ist aber die gut zehn Meter lange Bar. «Diese hat der ehemalige Geschäftsführer unseres Unternehmens in England aufgetrieben», weiss Thabata Rhomberg. Auch das übrige Mobiliar ist eine gelungene Mischung aus alten Tischen und Stühlen, die mit neuen Möbeln ergänzt wurden. Geöffnet ist die Brasserie von montags bis freitags – mittags und abends. Ser viert wird eine französisch-mediterrane Küche mit Schweizer Akzenten und Produkten. «Jetzt im Herbst ist beispielsweise unser Herbstteller mit Spätzli, Rotkraut, Rosenkohl und Marroni stark nachgefragt. Wenn im Winter die Moules-Saison beginnt, setzen wir dieses französische Gericht auf die Karte.» Insgesamt viermal im Jahr wird die Speisekarte der Saison angepasst. Es gibt aber auch eine Jahreskarte mit Klassikern. «Am häufigsten bestellt werden Fischknusperli.»

Hotelzimmer mit Kleinküche

Neben dem Brasseriebetrieb gibt es sieben Zimmer im Maisonettestil. Sechs davon sind auf zwei Ebenen, eines ist ebenerdig und rollstuhlgängig. «Besonders Firmen quartieren gerne ihre Mitarbeitenden bei uns ein, die dann mehrere Wochen hier sind.» Ergänzend dazu logieren an den Wochenenden Schweizer Freizeittouristen im Hotel. Weil an diesen Tagen die Brasserie geschlossen ist, werden die Gäste im Vorfeld benachrichtigt. «Das Frühstück wird ihnen dann ins Zimmer gestellt, und zwar in der unteren Ebene, wo es eine kleine Küchenzeile gibt.»

(Ruth Marending)


Mehr Informationen unter:

barracuda.ch