Der eine Käse aus roher Kuhmilch reift in einer spanischen Berghöhle, der andere wird in Serbien aus Eselsmilch hergestellt. Welcher Käse der teuerste der Welt ist, hängt davon ab, wie man rechnet.

Gut zwei Kilogramm Käse für 37 000 Euro. Diese Summe brachte der Cabrales im August 2025 bei einer Auktion in Arenas de Cabrales im nordspanischen Asturien. Kein Blattgold, kein Trüffel und keine spektakuläre Verpackung schmückten den kräftigen Blauschimmelkäse. Dafür war er beim 53. Käsewettbewerb «Certamen del Queso Cabrales» zum besten Einzelstück gekürt worden. Neun Gastronomiebetriebe stiegen in das Bieterduell ein, das bei 3000 Euro begann. Den längsten Atem hatte Iván Suárez, Inhaber des Restaurants El Llagar de Colloto in Oviedo. Er überbot seinen eigenen Rekord aus dem Vorjahr um 1000 Euro und gewann die Auktion bereits zum sechsten Mal in Folge.
Der Weg zum Rekordpreis begann im Bergmassiv Picos de Europa. Die Käserei Ángel Díaz Herrero stellte das Siegerstück aus roher Kuhmilch her und liess es seit Dezember in der Höhle Los Mazos reifen. Diese liegt auf 1500 Meter über Meer und ist nicht mit dem Auto erreichbar. Im feuchten, kühlen Klima entstehen die blaugrünen Schimmeladern und der pikante Geschmack des Cabrales. Der Betrag ist kein regulärer Ladenpreis. Darin stecken ausgezeichnetes Handwerk, Prestige und ein öffentlichkeitswirksames Bieterduell.
Dem Cabrales war zum Schluss noch ein Auftritt mit Slapstick-Faktor vergönnt. Als Suárez den Teller bei der Übergabe für die Kameras hochhielt, rutschte der 37 000-Euro-Käse herunter und landete auf dem Bühnenboden. Der Käufer hob ihn auf und posierte weiter. Nach Angaben des Radiosenders Cadena SER wollte er einen Teil seinem Vater geben, einen Teil mit seiner Familie essen und den Rest den Restaurantgästen servieren. Ob es nach der ungeplanten Begegnung mit dem Boden tatsächlich dazu kam, ist nicht bekannt.
Wird statt des Auktionspreises der reguläre Kilopreis betrachtet, kommt Pule ins Spiel. Der seltene Käse wird im serbischen Naturreservat Zasavica aus der Milch von Balkaneseln hergestellt. Im offiziellen Verkauf kosten 50 Gramm derzeit 7200 serbische Dinar, umgerechnet rund 57 Franken. Ein Kilogramm käme damit auf mehr als 1140 Franken. Klar also, dass Pule grammweise serviert wird. Der Preis lässt sich mit einem Blick in den Melkeimer erklären: Rund 25 Liter Eselsmilch sind für ein Kilogramm Käse nötig. Esel geben jedoch nur kleine Mengen und müssen dreimal täglich von Hand gemolken werden. Der geringe Fettgehalt der Milch erschwert die Käseherstellung zusätzlich. Das genaue Rezept bleibt geheim. Das Ergebnis ist weiss, bröckelig, mild und leicht süsslich. Exportiert wird Pule nicht. Neugierige müssen dafür nach Zasavica reisen.
(Andrea Decker)