Er hält im Schulzimmer die Fäden zusammen

Lehrer war eigentlich nicht sein Traumberuf. Und doch fand Robert Gmür vor 18 Jahren die Berufung im Unterrichten und Begleiten.

Als Vertreter der Fachlehrerschaft hat Robert Gmür an zwei Berufsrevisionen mitgewirkt. Er ist zudem Mitglied des Berufsverbands Service/Restauration.  (ZVG)

Die Faszination für das Gastgewerbe wurde Robert Gmür in die Wiege gelegt. Der Gastbetrieb seiner Familie, das Hotel Kreuz in Leissigen/BE am Thunersee, war seine zweite Stube. Sein Vater war Küchenchef, seine Mutter leitete die Hauswirtschaft. «Als Jugendlicher wollte ich eigentlich nicht ins Gastgewerbe», erzählt er. Am Ende habe ihm aber doch kein anderer Beruf gepasst. Er entschied sich für den Service, weil er gerne unter Menschen sein wollte. Die Ausbildung machte er ausserhalb des Familienbetriebs. 1995 kehrte er zurück – unter anderem nach einer Ausbildung an der höheren Gastronomiefachschule und einigen Kaderstellen – und führte das Hotel Kreuz für zehn Jahre mit seinen Eltern.

Start war nicht einfach

Das Unterrichten sollte eigentlich eine Übergangslösung in einer Phase der Neuorientierung sein. Er übernahm zunächst kleinere Pensen, unter anderem im Schulhotel Regina. Dann suchte das Bildungszentrum Interlaken im Jahr 2008 einen Berufsschullehrer für die Restaurationsfachleute. «Ich dachte mir, ich schaue mal, wie es läuft.» Von da an setzte Gmür voll auf die Berufsschule. «Mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten und sie zu unterstützen macht mir Freude.» Doch der Start sei nicht einfach gewesen: «Ich bin schon etwas ins Schwimmen gekommen: Wie bringe ich den ganzen Stoff rüber, wie fliessen meine eigenen Erfahrungen ein, was ist wirklich wichtig und wo kann ich auch etwas anpassen?»

Wo er am Anfang noch mehr Kontrolle ausgeübt hat, gibt Gmür heute die Lernverantwortung vermehrt den Lernenden selbst weiter. «Die Rolle des Lehrers hat sich gewandelt. Von dem, der vorne steht und doziert, zu dem, der begleitet und die Fäden in der Hand hält.» Die grösste Herausforderung sei die Bandbreite an Voraussetzungen, welche die Lernenden mitbringen. «Dies im Unterricht zu bündeln, sodass man den Stärkeren gerecht wird, aber auch die Schwächeren mitnimmt, ist nicht einfach.» Dazu kommt, dass sich die Umwelt der Lernenden stark gewandelt hat. Die neue Art des Kommunizierens, die sozialen Medien oder künstliche Intelligenz. «Nicht nur sie, auch wir als Lehrpersonen müssen uns immer wieder neu zurechtfinden.»

Stärkerer Fokus auf Talente

Alles, was den Lernenden zugute kommt, fällt Robert Gmür bei seiner Arbeit leicht. Besonders die Förderung junger Talente liegt ihm am Herzen. Er begleitete mehrere Klassen am Battle of Zagg, letztes Jahr coachte er mit seiner Kollegin Sabrina Steiner die heutige World-Skills-Teilnehmerin Melina Reusser vor den Swiss Skills. Die Freude über den Erfolg ist so gross, dass die beiden Lehrpersonen kommende Woche privat nach Shanghai reisen, um den Auftritt ihrer Schülerin mitzuerleben. «Ich wünsche mir, dass Talentförderung und das damit verbundene Herzblut in unseren Berufen einen noch höheren Stellenwert erhält.»

(Alice Guldimann)


Mehr Informationen unter:

bzi.ch  
hotelgastrounion.ch


Zur Person

Robert Gmür ist Berufsschullehrer und ausserdem diplomierter Tourismusexperte. Er ist seit dem aktuellen Schuljahr Berufsverantwortlicher für die Hotelkommunikationsfachleute, die neu am BZI unterrichtet werden. In seiner Freizeit wandert er gerne und ist Co-Präsident der SAC-Sektion Interlaken.