Gut gelegene Feiertage, viel Sonne und reisefreudige Gäste: Wo Zahlen vorliegen, fallen sie positiv aus. Dennoch verzichten einige Tourismusorganisationen aus Respekt vor den tragischen Ereignissen in Crans-Montana darauf, zum Saisonstart und zur Buchungslage über die Feiertage zu kommunizieren.

Bergsportgebiete und Städte vermelden einen guten Start in die Wintersaison. Neben dem Skisport ziehen weitere Winteraktivitäten, Märkte und Events viele Gäste an. (Keystone-SDA)
Dort, wo es Zahlen gibt, sind diese positiv – allerdings verzichten manche Organisationen aufgrund der tragischen Ereignisse in der Walliser Tourismusdestination Crans-Montana dieses Jahr darauf, zum Saisonstart und der Buchungslage während der Feiertage zu informieren. So schreiben beispielsweise die Seilbahnen Schweiz: «Aus Respekt, Anteilnahme und Solidarität verzichten wir bewusst auf eine aktive Kommunikation.» Gleichzeitig gehöre aber ein laufender Betrieb zur Verantwortung gegenüber Gästen, Mitarbeitenden und Regionen, die auf einen funktionierenden Tourismus angewiesen seien. Ähnlich sieht es auch in Crans-Montana selbst aus. Mitten in der touristischen Hochsaison wird die Gemeinde von der Tragödie erschüttert. Dennoch bleiben Restaurants, Hotels und Geschäfte mehrheitlich geöffnet.
Die Gäste vor Ort werden gebeten, diese mit Respekt zu besuchen – daher ist es derzeit ein bisschen ruhiger als sonst. Auch die Vorbereitungen auf die Weltcuprennen Ende Januar und Anfang Februar laufen weiter. Allerdings wird voraussichtlich auf jegliche Party-Aktivitäten verzichtet. Für eine Beurteilung der Auswirkungen des Unglücks auf den Tourismus ist es gemäss Roger Brunner, Head of Corporate Communications bei Valais/Wallis Promotion, derzeit noch zu früh. «Nach aktuellem Kenntnisstand ist uns jedoch keine grössere Annullierungsoder Abreisewelle bekannt, die direkt mit dem tragischen Ereignis in Zusammenhang steht», so Brunner. Insgesamt falle die Bilanz über die Feiertage positiv aus. Die Bettenauslastung über Weihnachten und Neujahr sei in vielen Regionen hoch gewesen, teilweise auf dem Niveau eines sehr guten Winters oder leicht darüber.
Vor allem die hoch gelegenen und schneesicheren Destinationen sowie die grossen Skigebiete im Wallis zeigen sich gemäss Roger Brunner mit der Nachfrage zufrieden bis sehr zufrieden. In einzelnen hoch gelegenen Regionen lag der Buchungsstand im Vergleich zum bereits sehr guten Vorjahr sogar noch leicht höher. «Tiefer gelegene Gebiete verzeichneten hingegen aufgrund des Schneemangels Rückgänge», sagt Brunner.

Adventsanlässe sorgten für gut gebuchte Städte. Luzern Tourismus/Tanja Müller
Auch die Bündner Hotelbetriebe blicken auf einen gelungenen Saisonauftakt zurück. «Im kantonsweiten Mittel konnten die Buchungen gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent gesteigert werden», heisst es in einer Umfrage von Hotelleriesuisse Graubünden. «Unsere Gäste profitierten von super Bergwetter und Topangeboten», sagt Martin Vincenz, CEO von Graubünden Ferien. Die Anzahl Ersteintritte der Bündner Bergbahnen lag per Ende Dezember um 5,6 Prozent höher als im Vorjahr. Viele Gäste hätten zudem Angebote abseits der Piste genutzt, etwa Langlaufen, Eislaufen oder Winterwandern. Auch für die weitere Saison sind die Buchungen gemäss Graubünden Ferienin den meisten Regionen des Kantons erfreulich.
So weit die Situation in den Bergen. Doch wie sieht es in den Städten aus? Sie lockten im Dezember nicht mit guten Pistenverhältnissen, sondern mit Weihnachtsmärkten und Events. Mit Erfolg: In Bern etwa verzeichnete man eine deutlich stärkere Auslastung im Vergleich zum Vorjahr. Und in Basel hat sich der Dezember dank des Weihnachtsmarkts zum stärksten Monat entwickelt. Bis zum 20. Dezember lag die Auslastung der Hotellerie gemäss Ann Müller von Basel Tourismus bei rund 80 Prozent, danach bei etwa 50 bis 60 Prozent. Zum guten Dezember beigetragen hätten auch Ausstellungen wie Yayoi Kusama in der Fondation Beyeler.
Auch in Luzern sei die Auslastung sehr gut gewesen, insbesondere über Silvester, sagt Sibylle Gerardi von Luzern Tourismus. Das Neujahrsfeuerwerk wurde aufgrund der Ereignisse in Crans-Montana zwar abgesagt, dies sei aber auf grosses Verständnis gestossen. Aufgrund von Angeboten wie dem «Eiszauber» gelinge es Luzern gut, die Wintersaison in der Stadt noch attraktiver zu gestalten und die Gäste besser über das Jahr zu verteilen.
(Angela Hüppi)