Am vergangenen Wochenende stand Adelboden im Fokus, am nächsten ist es Wengen. So viel profitiert das Berner Oberland davon.

Marco Odermatt im Siegesrausch: Am letzten Samstag gewann er zum fünften Mal in Folge den Riesenslalom am Chuenisbärgli in Adelboden/BE. Keystone-SDA
Mit schätzungsweise 15 Millionen Franken beziffert Caroline Willems, Head of Corporate Communications, Tourismus Adelboden-Lenk-Kandersteg, die direkte und indirekte Wertschöpfung der Skirennen in Adelboden für die ganze Region. Die letzte Studie zur Wertschöpfung des Weltcups wurde 2009 durchgeführt. Die Rennen ziehen Tausende von Fans an und generieren weltweite Medienpräsenz. Davon profitieren Hotels, Gastronomieunternehmen sowie weitere lokale Unternehmen. Caroline Willems sagt dazu: «Der Weltcup in Adelboden mit seiner internationalen Ausstrahlung ist von sehr grosser Bedeutung für die Tourismusregion Adelboden-Lenk-Kandersteg. Die Bilder, die rund um den Globus gehen, sind eine hervorragende Werbung und unterstützen unsere Bemühungen, die Marke international zu verankern und zu stärken.»
Mit rund sechs Millionen Live-Zuschauern am TV und dem schwer messbaren Multiplikator-Effekt durch unzählige Social-Media-Beiträge von Besuchern und Athleten würden die Region sowie das Skigebiet in einer Weise beworben, die vermutlich durch kein Marketing-Budget erreicht werden könne, so Willems.
Die 1600 Hotelbetten, die Parahotellerie nicht mitgezählt, sind über alle Renntage hinweg ausgebucht. Auch Hotels in Frutigen, Kandersteg, Reichenbach und bis nach Spiez sind komplett belegt.
Die Rennen finden seit 1956 statt. Der frühere Kurdirektor und ehemalige Skirennfahrer Fred Rubi lud seine damaligen Konkurrenten zu den ersten Internationalen Adelbodener Skitagen ein. 36 Fahrer in Pullovern, Wollmützen und Keilhosen traten vor 2000 Zuschauern zum ersten Rennen an. In diesem Jahr kamen gegen 50 000 Zuschauer. Der Star auf der Piste war ein weiteres Mal der Nidwaldner Marco Odermatt, der den Riesenslalom zum fünften Mal in Folge gewann.
Am Samstag, 17. Januar, messen sich die Athleten auf der legendären Lauberhorn-Abfahrt. Der Slalom von Sonntag, 18. Januar, bildet den Abschluss. Die Rennen generieren gemäss Christoph Leibundgut, Bereichsleiter Medien des Vereins Internationale Lauberhornrennen, eine regionale Wertschöpfung von rund 30 Millionen Franken. Leibundgut hält zudem fest: «Aktuell laufen die Arbeiten an einer neuen Wertschöpfungsanalyse mit dem Ziel, in den nächsten Jahren detailliertere Aussagen machen zu können.» Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Lauberhornrennen im Jahr 2030 ihr 100-jähriges Jubiläum feiern.
Christoph Leibundgut ist die Wirkung der immensen, internationalen Berichterstattung ebenfalls bewusst: «Die Werbewirkung für Wengen, die Jungfrau Region, Interlaken und das ganze Berner Oberland kann dank der TV-Übertragungen und der breiten medialen und sozialmedia-len Berichterstattung nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wir sind stolz darauf, dank innovativer Produkte und kreativem Marketing die Emotionen und das Spektakel der legendären Lauberhornrennen sowie die Faszination der Wengener Bergwelt einem Millionenpublikum präsentieren zu dürfen.»
Christoph Leibundgut, Medien Lauberhornrennen
Die Geschichte der Lauberhornrennen begann 1930. Ernst Gertsch, ein Wengener Skiläufer, rief mit einem kleinen Budget ein spektakuläres Rennen ins Leben, das schnell zu einem Höhepunkt des Ski-Weltcups wurde. Die Abfahrt über die längste Weltcup-Strecke mit Abschnitten wie dem Hundschopf wurde zum Mythos, geprägt von Rekordsieger Karl Molitor (elf Siege) und Tragödien wie dem tödlichen Sturz von Gernot Reinstadler 1991, woraufhin die Strecke bis heute den Namen Österreicherloch trägt.
Die 2050 Hotelbetten in Wengen sind in der Regel während der Rennen vollständig belegt, was Ausweichbewegungen nach Grindelwald bewirkt. Dort stehen weitere 7500 Betten in Hotellerie und Parahotellerie zur Verfügung. Bruno Hauswirth, Resort Director Grindelwald Tourismus, hält fest: «Die Rennen zählen zu den nachfragestärksten Zeitfenstern des Winters. Grindelwald profitiert vom Image als Teil der Jungfrau-Ski-Region.»
(Ruth Marending)