2026 wird alles andere als langweilig

Rekordzahlen, Gästelenkungsmassnahmen, finanzieller Druck, geopolitische Balanceakte sowie die Wiederaufnahme der L-GAV-Verhandlungen machen das neue Jahr spannend.


Brigitta M. Gadient

Präsidentin, Schweiz Tourismus

Worauf sind Sie im Rückblick auf das Jahr 2025 stolz?

Wir konnten zeigen, dass Rekordzahlen nicht unser Ziel sind, sondern eine bessere Lenkung der Nachfrage. Das ist uns mit einem gezielten Zuwachs aus entfernteren Märkten und einer weit beachteten Kampagne zugunsten von Herbstaufenthalten gelungen, während die Schweizer Nachfrage stabil blieb. Grossevents, die wir eng begleiteten, haben zu einem sehr positiven, gastfreundlichen Image der Schweiz beigetragen.

Mit welchem Gefühl starten Sie ins neue Jahr?

Ich versuche, trotz des gestiegenen finanziellen Drucks optimistisch zu bleiben. Ich gehe davon aus, dass die touristische Nachfrage hoch bleibt. Diese Chance müssen wir nutzen.

Welche Ziele anvisieren Sie?

Unser Fokus liegt weiterhin auf Qualität statt Masse und darauf, unsere Travel-Better-Strategie umzusetzen. Wir suchen die Balance zwischen nachhaltigem Gästeerlebnis und guter Lebensqualität für Einheimische. Die zeitliche, räumliche und thematische Verteilung der Touristenströme verhindert überfüllte Orte und erhöht die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Was sind 2026 die grössten Herausforderungen, und wie geht Ihre Organisation sie an?

Geopolitische Schwankungen können wir nicht beeinflussen, müssen aber auf sie vorbereitet sein. Unsere globale Präsenz in 22 Märkten erlaubt uns, lokale Nachfrageschwankungen in einzelnen Märkten gut aufzufangen. Diesen Vorteil dürfen wir trotz des aktuell schwierigen finanziellen Umfelds nicht aufgeben.

Stellen Sie sich das neue Jahr als Wanderung vor. Was packen Sie in Ihren Rucksack?

Ein Erste-Hilfe-Set: Das sind unsere guten Kontakte zu Partnern, Behörden, Touristikern und zur Bevölkerung. Sie bieten in schwierigen Zeiten Unterstützung für unsere Arbeit. Eine Karte: Das ist unsere Travel-Better-Strategie, die unsere Schwerpunkte zeigt. Energielieferanten: Die sind nötig, um all die Herausforderungen bewältigen zu können.


Esther Lüscher

Präsidentin Hotel & Gastro Union

Worauf sind Sie im Rückblick auf das Jahr 2025 stolz?

Stolz bin ich auf unsere Berufsverbände, die Regionen und Mitarbeitenden, die hinter der Hotel & Gastro Union stehen und gemeinsam am selben Strick ziehen, um unsere Ziele zu verwirklichen. Unser Milizkonzept ist gut. Es kann 2026 aber weiter verbessert werden, indem wir noch bestehende Lücken schliessen.

Mit welchem Gefühl starten Sie ins neue Jahr?

Mit Dankbarkeit. Einerseits für den erneuten Austausch mit den Sozialpartnern; andererseits dafür, dass ich mich mit der gleichen Begeisterung für die Belange der Hotel & Gastro Union und ihrer Mitglieder einsetzen kann, wie bereits seit zehn Jahren.

Welche Ziele anvisieren Sie?

Für 2026 gilt, unsere Organisation durch Mitgliederzuwachs weiter zu stärken und den Berufsleuten im Gastgewerbe die Sinnhaftigkeit der Mitgliedschaft sichtbar zu machen. Gute L-GAV-Verhandlungsgespräche zu führen und möglichst vorteilhafte Ergebnisse für unsere Mitglieder zu erreichen, sind weitere wichtige Ziele. Verbandsintern führen wir die konsequente Umsetzung der erarbeiteten Strategie weiter.

Was sind 2026 die grössten Herausforderungen, und wie geht Ihre Organisation sie an?

Klimawandel, US-Politik, Cyber-Kriminalität usw. stellen uns alle auch dieses Jahr vor grosse Herausforderungen, die situativ, kreativ und flexibel angegangen werden müssen. Ein Thema, das für uns zentral bleibt und an dem wir seit Jahren konsequent arbeiten, ist die Förderung des Berufsnachwuchses. Auch die Cyber-Sicherheit behalten wir im Auge. Unter anderem haben wir eine Cyberversicherung abgeschlossen.

Stellen Sie sich das neue Jahr als Wanderung vor. Was packen Sie in Ihren Rucksack?

Verpflegung, denn wenn ich Hunger habe, werde ich unausstehlich. Eine laminierte Wanderkarte, damit ich auch bei Regen und ohne Netzempfang immer weiss, wo ich bin. Und eine Taschenlampe, um auch in der Dunkelheit auf dem richtigen Weg zu bleiben.


Martin von Moos

Präsident Hotelleriesuisse

Worauf sind Sie im Rückblick auf das Jahr 2025 stolz?

Ich bin stolz auf die Schweizer Beherbergungsbranche, die 2025 erneut eine Rekordzahl an Gästen empfangen und mit grosser Professionalität betreut hat. Unsere Betriebe haben in einem anspruchsvollen Marktumfeld einmal mehr ihre Leistungsfähigkeit und Innovationskraft bewiesen.

Mit welchem Gefühl starten Sie ins neue Jahr?

Zuversichtlich, und gespannt blicke ich auf die anstehenden Aufgaben. Ich sehe mich dank einer starken Geschäftsstelle und einer engagierten Verbandsleitung sehr gut aufgestellt. Ich möchte gezielt weitere Brücken zu Partnerverbänden und Politik bauen, damit die Anliegen unserer Branche noch klarer wahrgenommen und verstanden werden.

Welche Ziele anvisieren Sie?

Das Image der Branche weiter zu stärken ist ein Ziel ist. Wir wollen mehr junge Menschen für eine Karriere in der Beherbergung begeistern. Gleichzeitig möchte ich den Zusammenhalt innerhalb unserer Branche und vom Dachverband zu den Regionalverbänden weiter vorantreiben.

Was sind 2026 die grössten Herausforderungen, und wie geht Ihre Organisation sie an?

Es gibt Rahmenbedingungen, die wir nicht steuern können. Deshalb ist entscheidend, dass wir das Gestaltbare konsequent voranbringen und gleichzeitig flexibel genug bleiben, um auf Unvorhersehbares schnell reagieren zu können. Den Herausforderungen begegnen wir, indem wir nahe an unseren Mitgliedern bleiben und ihre Bedürfnisse frühzeitig antizipieren. Hier ist auch der Austausch mit unseren Regionalverbänden und Partnerorganisationen essenziell.

Stellen Sie sich das neue Jahr als Wanderung vor. Was packen Sie in Ihren Rucksack?

Wasser, für die notwendige Ausdauer. Einen Helm für Schutz in Zeiten, in denen Risiken weniger vorhersehbar werden. Und einen Kompass, weil eine klare Orientierung entscheidend ist, um gemeinsam als Verband sowie als Branche voranzukommen.


Reto Nause

Präsident Schweizer Tourismus-Verband

Worauf sind Sie im Rückblick auf das Jahr 2025 stolz?

Ich habe Ende August das Präsidium des Schweizer Tourismus-Verbands übernehmen dürfen und bin stolz auf das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird. Stolz bin ich auch darauf, dass es uns als STV gelungen ist, die politischen Anliegen des Tourismus in Bundesbern weiter zu stärken.

Mit welchem Gefühl starten Sie ins neue Jahr?

Mit grosser Zuversicht: Der STV ist gut aufgestellt. Ich spüre viel Engagement bei den Mitgliedern sowie auf der Geschäftsstelle.

Welche Ziele anvisieren Sie?

Mein persönliches Ziel lautet: Ich will Brücken bauen und den Tourismus politisch als wichtigen Wirtschaftssektor weiter verankern. Im Fokus unserer Aufmerksamkeit als Verband stehen das Schaffen stabiler politischer Rahmenbedingungen und die langfristige Finanzierung der touristischen Förderinstrumente. Der Bund muss sparen, und das betrifft auch den Tourismus. Unsere Aufgabe ist deshalb, der Politik die Bedeutung und Funktionsweise der Tourismusförderung klar zu vermitteln und die Bevölkerung einzubeziehen. Nur ein Tourismus, der sich im Einklang mit der Bevölkerung und der Umwelt entwickelt, ermöglicht nachhaltige Angebote und ein hochwertiges Gästeerlebnis.

Was sind 2026 die grössten Herausforderungen, und wie geht Ihre Organisation sie an?

Der Klimawandel bleibt eine der grössten Herausforderungen und erfordert strukturelle Anpassungen des touristischen Angebots. Das Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit Kona unterstützt mit Projekten wie dem Programm Swisstainable dabei, den Tourismus nachhaltig zu entwickeln..

Stellen Sie sich das neue Jahr als Wanderung vor. Was packen Sie in Ihren Rucksack?

Erstens: Zuversicht. Sie hilft, schwierige Passagen zu meistern. Zweitens: Teamgeist. Im Tourismus erreicht man die hohen Gipfel nur gemeinsam. Drittens: Mut. Nur wer es wagt, neue Wege zu beschreiten, kann die Zukunft aktiv mitgestalten.


Beat Imhof

Präsident Gastrosuisse

Worauf sind Sie im Rückblick auf das Jahr 2025 stolz?

Wir sind als Gremien eng zusammengerückt und haben strategische Grundlagen erarbeitet, die unsere Rolle in der Branche stärken. Ein wichtiges Signal war die Zusammenarbeit mit Hotelleriesuisse beim Hospitality Summit.

Mit welchem Vorsatz starten Sie ins neue Jahr?

Ich mache mir nicht viel aus Vorsätzen. Ich nutzte die Festtage, um Energie zu tanken, denn wir tragen Verantwortung für unsere Mitglieder und müssen mit Elan die Wirtschaftlichkeit und Attraktivität der Branche stärken.

Was erhält 2026 Ihre besondere Aufmerksamkeit?

Ich freue mich, unsere Strategie konsequent mit unserer neuen Direktorin Kareen Vaisbrot und der Geschäftsleitung umzusetzen. Zudem will ich das politische Engagement verstärken und weiter an meinem Französisch arbeiten.

Welche Ziele anvisieren Sie?

In den Verhandlungen rund um den L-GAV wollen wir die Branche stärken. Wir arbeiten an einem neuen, starken Auftritt für Gastrosuisse und tun alles, um die Wirkung für unsere Mitglieder zu steigern. Wir wollen Rechtssicherheit beim Thema Trinkgeld und dies steuerbefreit. Wir wollen, dass allgemeinverbindlich erklärte Gesamtarbeitsverträge den kantonalen Mindestlöhnen vorgehen.

Was sind 2026 die grössten Herausforderungen für unsere Branche, und wie geht Ihre Organisation diese an?

Unsere Branche ist wie Wasser – sie sucht sich immer erfolgreich ihren Weg. Die Kunst ist, sich stetig Veränderungen anzupassen und daraus Gewinn zu erwirtschaften. Das geht nebst guten Analysen nur mit viel Persönlichkeit und Herzblut.

Stellen Sie sich das neue Jahr als Wanderung vor. Was packen Sie in Ihren Rucksack?

Ein feines Glas Wein, ein gutes Stück Käse und meine drei besten Freunde. Dies, weil wir uns viel zu fest vor dem Tod fürchten, uns aber eigentlich vor einem schlechten Leben fürchten sollten.