Der Schein trügt

Die Gastkolumne – diese Woche von: Barbara Gisi, Direktorin Schweizer Tourismus-Verband.

Barbara Gisi, Direktorin Schweizer Tourismus-Verband

Seit einer Weile ereilen uns täglich auf allen Kanälen Erfolgsmeldungen zum Schweizer Tourismus, gespickt mit Begriffen wie «Talsohle überwunden», «Die Branche floriert», «Es geht aufwärts» et cetera. Tatsächlich geht es besser als auch schon – darüber sind wir alle froh, aber …

Das im Folgenden dargelegte «Aber» ist kein Jammern, sondern eine Relativierung, die auf Tatsachen beruht: 

- Die Logiernächtezahl ist nicht mit Gewinn gleichzusetzen. Die Margen sind in den letzten Jahren gesunken aufgrund der Schweizer Währungssituation und des Konkurrenzdrucks, womit dringend notwendige Investitionen oft in weite Ferne rückten.

- Ein guter Winter allein rettet die Berggebiete nicht. Es gibt zudem keine Garantie, dass der nächste ebenfalls gut ist, und die Klimaerwärmung schreitet voran.

- Im Vergleich mit zuvor schlechten Jahren schneidet auch ein bescheidenes Jahr gut ab. Der Anschluss an die Erfolgsjahre vor 2008 ist damit aber nicht gewährleistet.

Darum: weniger ist mehr – respektive glaubwürdige Fakten anstatt «Hochglanz-Slogans».

Die parlamentarische Beratung der Standortförderung, sprich die Unterstützung des Tourismus, steht an, und in der Politik sind (allermeistens) Fakten gefragt. Mit Marketing spricht man Gäste an, nicht aber Politiker, die auf eine solide, breit und realistisch abgestützte Entscheidungsgrundlage angewiesen sind.