Jetzt ist Transparenz gefragt

Das Vertrauen ins Gastgewerbe ist erschüttert. Publikumsmedien und eine Studie der Universität St. Gallen decken Vergehen auf, die von einigen wenigen begangen werden, aber alle betreffen.

Die Branche muss sich klar von den schwarzen Schafen distanzieren und die korrekt arbeitenden Betriebe vermehrt ins Rampenlicht rücken. Wer Kontrollen ohne Beanstandungen hinter sich gebracht hat, darf und soll das stolz kommunizieren. So wie dies die Wirte in Dänemark mit ihrem Elite-Smiley-System seit bald 20 Jahren schon tun. (Keystone)

Schlagzeilen wie «Wenn die Seezunge nur Pangasius ist», «Hoteliers tricksen bei den Kurtaxen» und «Schimmel und Bakterien – 789 Beizer angezeigt» treiben anständigen Gastgewerblern die Zornesröte ins Gesicht.  

Die Wut richtet sich gegen jene Berufs(un)kollegen, die mit unsauberer Arbeitsweise und unseriösem Geschäftsgebahren das Gastgewerbe in Verruf bringen. Gemäss Patric Schönberg, Leiter Kommunikation bei Hotelleriesuisse, ist sein Verband besorgt, dass die Branche als Ganzes in ein falsches Licht gerückt wird. Dies, weil vom Food-Truck bis zum Luxushotel alle Betriebe in denselben Topf geworfen würden. Patric Schönberg sagt: «Wir sind überzeugt, dass unsere Mitgliederbetriebe die Hygienevorschriften einhalten und ihre Mitarbeitenden entsprechend sensibilisieren und schulen.»

Zu wenig Logiernächte angeben und Kurtaxe einsparen

Was die Kurtaxen-Hinterzieher betrifft, handle es sich um Einzelfälle, ist Hotelleriesuisse überzeugt. «Absichtliches Verfälschen ist bei mittleren bis grossen Hotels, die stark digitalisiert arbeiten, gar nicht möglich», sagt Patric Schönberg. 

Leichter als Logiernächte zu verheimlichen ist es, dem Gast ein hochwertiges Produkt zu verkaufen, ihm aber ein billigeres auf den Teller zu legen. Das ist ganz klar ein Betrug. Ein Wirt, der so geschäftet, macht sich strafbar. Doch wie ist es mit seinen Angestellten? Macht sich ein Mitarbeiter ebenfalls strafbar, wenn er weiss, dass der Chef Pengasius als Seezunge verkauft oder die Gams im Pfeffer ursprünglich eine gewöhnliche Ziege war? «Nein. Der Mitarbeitende macht sich nicht strafbar. Ausser er hat den Chef zum Betrug angestiftet», sagt Stefan Unternährer, Leiter Rechtsdienst der Hotel & Gastro Union. Bei Hygieneverstössen hingegen kann es für den Mitarbeitenden jedoch heikel und teuer werden. «Chefs geben die Verantwortung, und damit auch das Bezahlen von allfälligen Bussen, gerne an den Koch ab», weiss Unternährer. 

Berufsstolz zeigen

Kann der Koch die Hygieneregeln nicht einhalten, weil der Chef ihm die nötigen Mittel dazu nicht zur Verfügung stellt, muss der Koch sich absichern. Am besten mit einem eingeschriebenen Brief an den Chef. In diesem Brief weist der Mitarbeitende seinen Vorgesetzten auf den Missstand hin und lehnt jede weitere Verantwortung ab. Eine Kopie des Briefes bleibt als allfälliges Beweismittel beim Mitarbeitenden.

Wer auch nur einen Funken Berufsstolz besitzt, sollte sich generell überlegen, ob er für so einen Chef oder in einem Schmuddelbetrieb arbeiten will. Zumal es viele gute, korrekt arbeitende Betriebe, gibt, die dringend Mitarbeitende suchen.

(Riccarda Frei)