Kann ich Ihnen vertrauen?

Die Gastkolumne von Sara Stalder, Geschäftsleiterin Konsumentenschutz.

«Was für eine Frage», werden Sie jetzt vermutlich denken. Aber es ist keine rhetorische Frage – ich fragen allen Ernstes. Kann ich Ihnen beispielsweise vertrauen, dass Sie in Ihrem Gastronomiebetrieb korrekt deklarieren, etwa die Herkunft des Fleisches, das auf den Tellern Ihrer Gäste landet? Ich hoffe es sehr. Denn es hat Jahrzehnte und unzählige Kontrollen gebraucht, bis sich eine ordnungsgemässe Deklaration etabliert hat. Und dennoch stosse ich immer wieder auf Restaurants, welche diese wichtige Information nicht angeben. Im Moment stehen wieder zwei Produkte zur Diskussion, die unbedingt deklariert werden müssten: das Chlorhuhn und die Foie gras. Der Import von Poulet ist eine der Bedingungen, welche die USA mit einem Zollabkommen mit der Schweiz verknüpfen. Die grossen Detailhändlerinnen haben beteuert, dass es für sie gar nicht erst in Frage kommt, in Chlorwasser gereinigtes Poulet aus den USA in ihr Sortiment aufzunehmen. Aber wie sieht es in der Gastronomie aus? Da bin ich mir nicht so sicher. Denn importiertes Fleisch wird in der Gastronomie gerne aufgetischt, weil es günstiger ist. Wir verlangen zumindest eine Deklaration dieser in der Schweiz verbotenen Methode. Im Mai wurde zudem eine Verordnung in Kraft gesetzt, welche die Deklaration von tierquälerischen Methoden verlangt, die in der Schweiz verboten sind. Passend zur Saison fällt auch Foie gras darunter. Ein Hinweis, dass diese Stopfleber mit Tierquälerei produziert wurde, macht sich auf keiner Speisekarte gut –schon gar nicht auf derjenigen eines noblen Restaurants. Ob Sie mir vertrauen, wenn ich sage, dass es für Sie als Gastronomen wie für mich als Kundin einfacher wäre, wenn solche Produkte gar nicht erst angeboten würden?

(Sara Stalder)