Korrekturwochenende

Die Gastkolumne – diese Woche von: Timo Albiez, Vizedirektor Schweizerische Hotelfachschule Luzern SHL und Mitglied bvham.

Timo Albiez ist Dozent an der Schweizerischen Hotelfachschule in Luzern. (ZVG)

Als Dozierender an der SHL macht es Freude zu unterrichten: motivierte Menschen, die ein klares Ziel vor Augen haben, ein breites Themenspektrum – von der Küche bis zu Management-Inhalten – und ein Arbeitsort, an dem der Pilatus jeden Morgen einen anderen Gruss über den See schickt. Doch es gibt da etwas, das jeweils Ende Semester wie eine dunkle Wolke über den Köpfen der Dozenten schwebt: das Korrigieren der Prüfungen und Projektarbeiten. Ich kenne niemanden, der jubelnd den Stapel Prüfungen entgegennimmt und freudestrahlend dem Korrekturwochenende entgegensieht. Nun ist es wieder einmal so weit. Die Projektarbeiten des vierten Semesters türmen sich auf dem Pult. Arbeiten, die zum Ziel haben, an einem konkreten Fall die erworbenen Kompetenzen darzulegen. Das Corpus Delicti: die Konzeption der Gastronomie des neuen Thermalbades Baden und des angeschlossenen Verenahofes mit zahlreichen Outlets und Nutzungspotenzialen. Die Studierenden widmeten sich während zehn Wochen diesem touristischen Meilenstein und steckten ihre ganze Kreativität in dieses Projekt. Nutzungspläne, Personalkonzepte und überraschende Werbekampagnen reihen sich aneinander und bieten einen Strauss von Ideen. Bereits nach der ersten Arbeit wird mir klar – die «Studis» (so nennen die Dozierenden liebevoll ihre Studierenden) haben alles gegeben und sich voll und ganz mit den Fragestellungen identifiziert. Die Arbeiten lesen sich wie konzeptionelle Krimis mit erstaunlichen Wendungen, mutigen Lösungsansätzen und motivierenden Hirngespinsten. «Think big» – eine Kernaussage, die gebetsmühlenartig den Teams eingetrichtert wurde, hat sich in den Konzepten niedergeschlagen. Und plötzlich wird die Korrektur erträglich, wenn nicht gar eine freudige Pflicht. Klar gibt es ab und zu einen redaktionellen Dämpfer oder ein logisches Waterloo, das dem Korrigierenden tiefe Runzeln auf die Stirn zaubert – in der Gesamtheit sind tolle Studien entstanden, die stolz machen. Jetzt können wir gespannt sein, was die Auftraggeber dazu meinen und ob die eine oder andere konzeptionelle Meisterleistung im neuen Thermalbad umgesetzt wird. Die SHL und die Studierenden würde es natürlich freuen …