Der Geschäftsleiter der Hotel & Gastro Union wirft einen Blick zurück auf das Jahr 2025 und erklärt, was ihn und die Organisation 2026 beschäftigen.

Oliver Schärli: «Wir wollen noch näher bei den Berufsleuten sein.» (Jakob Ineichen)
Die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern haben sich eindeutig wieder aufgehellt. Wir sprechen konstruktiv und wertschätzend miteinander. Damit ist die Basis gelegt für eine gute Zusammenarbeit im Sinne der Branche.
Ich behalte vor allem das Positive im Kopf. Ärger vergesse ich in der Regel schnell. Ein Schock war die Brandkatastrophe in Crans-Montana. Das grosse Leid, das der Brand verursacht hat, beschäftigt mich sehr. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Für unsere Branchen ist es Anspruch und Verpflichtung, dass die Gäste sich bei uns jederzeit zu hundert Prozent wohl und sicher fühlen können.
Wir stehen mitten drin im Rekrutierungsprozess. Es sind viele spannende Bewerbungen eingegangen. In den nächsten Wochen werden wir intensive Gespräche mit ausgewählten Kandidatinnen und Kandidaten führen. Unser Ziel ist, dass unser Geschäftsleitungsteam bis Mitte Jahr wieder voll besetzt ist und die anstehenden Aufgaben mit geballter Kraft angehen kann.
Der Zentralvorstand hat uns die strategische Stossrichtung vorgegeben. Im Fokus steht die Mitgliederentwicklung. Wir wollen unsere bestehenden Mitglieder halten und neue dazugewinnen. Daneben sind auch die L-GAV-Verhandlungen ein Schwerpunkt für dieses Jahr.
Weil man gemeinsam stärker ist! Die Hotel & Gastro Union gibt den Berufsleuten in der Gastronomie, Hotellerie und Bäckerei/Konditorei eine starke Stimme.
Wie die Gewerkschaften setzen wir uns dafür ein, dass die Arbeit in unseren Branchen fair entlöhnt wird und die Arbeitsbedingungen attraktiv sind. Dies tun wir nicht aus ideologischen Gründen, sondern in der Überzeugung, dass so dem Fachkräftemangel am effektivsten begegnet werden kann. Wir kennen unsere Branchen aus dem Effeff und wissen daher genau, wo der Schuh drückt, aber auch, welche Forderungen für unsere Branchen realistisch sind. Dabei bauen wir auf das konstruktive, faktenbasierte Gespräch und weniger auf gewerkschaftliche Kampfmittel.
Ich denke, das Gegenteil ist richtig: Im Zeitalter der Digitalisierung und Automatisierung wird das Handwerk an Bedeutung gewinnen! In einer Zeit, in der viele Bürojobs durch künstliche Intelligenz automatisiert oder stark verändert werden, gewinnen unsere Berufe enorm an Wert.
Ich bin offen dafür. Eine Imagekampagne kann Aufmerksamkeit schaffen und Diskussionen anstos-sen. Sie ist aber aufwendig und die Wirkung nur schwer messbar. Die beste Imagekampagne findet jeden Tag in den Betrieben statt. Dort, wo die Arbeitszeiten fair organisiert sind, wo Leistung anerkannt wird und wo die Mitarbeitenden gern und mit Leidenschaft arbeiten, entsteht Glaubwürdigkeit – bei den Gästen und Kunden ebenso wie bei den künftigen Fachkräften. Wenn Betriebe gut geführt sind und professionelle Dienstleistungen mit Herz anbieten, dann spricht sich das rasch herum.
Bis Ende 2026 möchte ich unsere Arbeitnehmerorganisation stabiler, sichtbarer und relevanter sehen – noch näher bei den Berufsleuten und noch stärker verankert in der Branche. Wir wollen nicht alles machen, sondern das Richtige: zuhören, unterstützen und dort präsent sein, wo Arbeitsbedingungen, Ausbildung und berufliche Perspektiven gestaltet werden. Für die gesamte Branche wünsche ich mir mehr Selbstbewusstsein. Gastronomie, Hotellerie, die Gemeinschaftsverpflegung und die Bäckerei-Konditorei-Branche werden auch 2026 anspruchsvoll sein. Gut geführte Betriebe, qualifizierte Fachkräfte und eine klare Haltung zu Qualität und Fairness sind der Schlüssel zum Erfolg.
(Jörg Ruppelt)