Die Gastkolumne – diese Woche von: Pascal Jenny, Tourismusdirektor von Arosa.
In den vergangenen Tagen haben die ach so vielfältigen Medien mal wieder über alles und nichts berichtet. Wenn wir uns fragen «Was war denn da genau?», so kommt mancher von uns ins Schlittern. Ist während des Sturms Burglind im Berner Tierpark ein Wolf ausgebrochen? Ist Trump wirklich auf dem Weg nach Davos oder zieht er gerade via Twitter über die «Geld-Gauner» in der Schweiz her? Wird Maradona auf Schnee Fussball spielen? Keine Ahnung!
Seien wir ehrlich. Wir wissen es nicht genau. Aber wir haben ein paar Zeilen gelesen oder gehört, dass da etwas war. In Bern beim Tierpark. In Davos mit dem US-Präsidenten. Und in Arosa mit Maradona. Sind Ankündigungen (Trump & Maradona) oder suggerierte Ereignisse (vermisster Wolf in Bern) Fake News oder seriöse Berichterstattung? Der Grat ist schmal.
Hätte Arosa die offizielle Einladung für Maradona nicht abgeschickt, wäre es wohl eine Art «Wahnvorstellung», dass der beste Fussballer aller Zeiten nach Arosa kommt. Fakt ist, dass man von Davos, Bern und Arosa redet. Vielleicht sagt man sich sogar, da muss ich wieder einmal hin, da läuft etwas. Ob Fake oder echt, die Medien helfen mit bei der Tourismus-Kommunikation – da bleibt viel Raum für kreative Ideen.
Szenenwechsel: Welchen Zweck verfolgt eigentlich die No-Billag-Initiative? Die Befürworter sagen, «die SRG funktioniere auch ohne Billag-Abzocke». Fake oder echt? Ich weiss es nicht, aber auf jeden Fall lässt dies viel Interpretationsspielraum offen. Auf die Palme bringt mich diese Aussage der Befürworter: «Ausserdem sollte es die Möglichkeit geben, Sendungen, die am Markt keine ausreichende Finanzierung finden, vom Bund fördern zu lassen.»
Aha! So einfach stellen die sich das vor. Na dann gute Nacht, Vielfalt! Anträge an den Bund machen, um beispielsweise eine Sendung über die Schneefussball-WM, ein Arosa Humorfestival oder gar über den Tierpark Bern (oder künftig das Arosa Bärenland) zu finanzieren? Das ist komplett chancenlos. In zehn Jahren als Tourismusdirektor in Arosa habe ich praktisch gleich viele Absagen zur Finanzierung touristischer Projekte erhalten, wie wir in Arosa umfassende Anträge geschrieben haben.
Die Abhängigkeit von einzelnen Menschen am Drücker der Projektfinanzierung würde fast «Trump-Zustände» annehmen. Obwohl ich keine Ahnung habe, wie Trump wirklich ist. Eben «Information by Hörensagen».
Und im Klartext: Ich stimme gegen die No-Billag-Initiative und lege ein Nein in die Urne.