Die Gastkolumne – diese Woche von: Meta Hiltebrand, Gastgeberin und Köchin im «Le Chef», Mitglied skv.
Wer kennt das nicht? Wir begrüssen uns und fragen gleich: «Wie geht es dir?» Zu 90 Prozent antwortet das Vis-à-vis: «Super und dir?» Und wir antworten: «Auch gut, Danke.» Die restlichen 10 Prozent, die dann mal ehrlich sind, werden gar nicht erst wahrgenommen, so selbstverständlich ist dieser Smalltalk schon geworden,
dass niemand mehr richtig hinhört.
Die Gesichtsmimik ist entscheidend, denn wer lächelt und sagt, alles sei gut, bekommt keine Nachfrage. Aber genau das habe ich ausprobiert, mit einem Lächeln zu sagen: «Nicht gut, Danke. Und dir?»
Kaum einer ist sich in diesem Moment bewusst, was gerade geschieht und rutscht in die Antwort, die man kennt: «Schön, das freut mich.» Da frage ich mich, warum wir überhaupt fragen, wenn wir doch keine ehrliche Antwort erwarten. Ist es Routine, reine Höflichkeit oder fällt einem einfach nichts anderes ein? Ich finde, ein Nachfragen lohnt sich immer. Und so mancher lässt bei der zweiten Frage eine ehrliche Antwort fallen, die vielleicht nicht immer zu erwarten ist, und genau das macht es spannend.
So ist ein Smalltalk eigentlich nur ein Schritt von dem richtigen Gespräch entfernt. So gesehen das Eintrittsticket zu einem richtigen Gespräch mit Inhalt. Und der Austausch zwischen den Menschen ist wertvoller, als man denkt. Schnell merkt man, dass man nicht alleine ist mit seinen Sorgen. Die einen erzählen viel aus ihrem privaten Leben. Wie schön es ist, Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, oder vom Leben in der Gastronomie oder ganz einfach, was sie alles erlebt haben.
Wer richtig hinhört, wird belohnt mit Erfahrungswerten von anderen und deren Geschichten. Damit wachse auch ich weiter und gebe gerne zu, mir geht es gleich. Ein täglicher Kampf ums Gleichgewicht und ein Suchen nach Wohlfühlen und Perfektion.
(Meta Hiltebrand, Gastgeberin und Köchin im «Le Chef», Mitglied skv)