Servierkurs 1938

Die Gastkolumne – diese Woche von: Timo Albiez, Vizedirektor Schweizerische Hotelfachschule Luzern und Mitglied bvham.

Timo Albiez ist der Vizedirektor der SHL in Luzern. (ZVG)

Der obenstehende Titel zierte während einiger Jahre das Logo der Schweizerischen Hotelfachschule Luzern SHL und zeigte während des Jubiläumsjahrs 2009, dass die geschichtsträchtige Ausbildungsinstitution schon einige Jahre ihren Platz in der Bildungslandschaft der Schweiz einnimmt. Die Schule entwickelt sich weiter und hat sich auch für die kommenden Jahre ein paar weitreichende Projekte vorgenommen. Unter anderem erforderte ein Projekt das Einsteigen in die alten Jahresberichte und Broschüren.

Dass es da einiges zum Schmunzeln gab und erstaunliche Zeitzeugen erschienen, kann man sich sicherlich vorstellen. Mein Lieblingsdokument, das während der Recherchen wieder ans Licht kam, ist das Lehrbuch des damaligen «Servierkurses» aus dem Jahr 1938. Ich erlaube mir, einige Schmankerl aus diesem Buch zu zitieren. So wird unter dem Titel «Berufsauffassung» folgender Lehrsatz zum Besten gegeben: «Fleckige Wäsche und unsaubere Kleidung sind die Visitenkarte des Untauglichen. Die oft zu vernehmenden Klagen, dass junge Kellner und Serviertöchter auf der Strasse wie die reinsten Modepuppen daherkommen, in ihren Zimmern aber ein chronisches Durcheinander haben, ist leider nur zu berechtigt.»

Auch werden grundlegende Werte des Berufes klar kommuniziert: «Höflichkeit, Zuvorkommenheit, Zurückhaltung, Takt, Berufsstrenge, Berufstreue und Treue dem Hause gegenüber». Auch die potenziellen Laster werden nicht ausser Acht gelassen. So wird unter dem Übertitel «Eigenschaften für den Beruf» folgende Aussage gemacht: «Der Gedanke, dass dieser Beruf grosse Gefahren mit sich bringt (moralische und gesundheitliche), muss ein Ansporn sein festzubleiben, um alle Hindernisse zu überwinden. Jeder vergangene Tag muss eine Genugtuung sein, einen Schritt vorwärts getan zu haben.»

Und zu guter Letzt wird auch der Hotelgast klar charakterisiert: «Der Hotelgast ist ein schwieriger Kunde, er ist an grösste Bequemlichkeit gewöhnt, die er fast immer verlangt und auch findet!» Ich danke dem damaligen Verfasser Fritz Herdi für diese wunderbare Reise in die Vergangenheit.