Das Weinkollektiv bietet ein Netzwerk, das Schweizer Wein mit einem jüngeren Publikum verbindet. Ein Beispiel dafür ist «Le Grand Hôtel du Vin» in Luzern.

Dominik Inal ist überzeugt, dass zeitgemässe und ehrliche Weinvermittlung generationenübergreifend funktioniert. (ZVG)
Die Veranstaltung verbindet eine klassische Weinmesse mit einem kuratierten Weinerlebnis. In zwei Themenwelten sowie 15 Hotelzimmern präsentieren 25 Schweizer Winzerinnen und Winzer ihre Weine. Dazu kommen ein Sensorium zur bewussten Sensibilisierung der eigenen Sinne sowie Mini Chocolate Pairings von Max Chocolatier. Die beiden Themenwelten widmen sich biodynamischen Weinen und Luzerner Betrieben.
Genau. Wir schaffen eine ruhige Szenerie. Besucherinnen und Besucher erhalten Einblick hinter die Kulissen eines Fünf-Sterne-Hauses und begegnen gleichzeitig dynamischen Schweizer Weinbaubetrieben: persönlich, entschleunigt und auf Augenhöhe.
Das Weinkollektiv ist eine Plattform und ein Netzwerk mit dem Ziel, Schweizer Wein zeitgemäss zu vermitteln. Wir bringen Weinbaubetriebe mit Konsumierenden zusammen und entwickeln Formate, die Wein zugänglich und erlebbar machen.
Wir nutzen unterschiedlichste Formate. Das reicht von Events über Podcasts, Weinspicks und Kolumnen bis hin zu geführten Wine Trails. Allen Formaten gemeinsam ist der Anspruch, Wein kreativ, niederschwellig und zeitgemäss zu vermitteln – und so aktiv zur Weiterentwicklung der Weinkultur beizutragen.
Den Konsum von Alkohol kritisch zu hinterfragen, ist per se legitim und vielleicht auch notwendig. Wein ist mehr als reiner Alkohol. Er steht für gemeinsames Erleben, für Austausch, für Momente, in denen Menschen zusammenkommen. Es geht nicht um möglichst viel, sondern um bewusst.
Ungewöhnlich früh. Bereits mit 16 Jahren hat mich Wein deutlich mehr interessiert als Bier oder Alcopops. Mich faszinierte schon früh, dass ein Getränk so viel Tiefe und Ausdruck haben kann. Später begann ich, mich intensiver mit Wein zu beschäftigen, mehr zu probieren, Fragen zu stellen und Zusammenhänge zu verstehen. Das war der Startschuss meiner beruflichen Weinreise.
Dass einzelne Winzer ausverkauft sind, zeigt mir: Es ist noch kein generelles Absatzproblem, sondern mehr ein Vermittlungsdefizit. Ich erlebe die Branche im Umbruch. Vielen Betrieben bricht ihr klassisches Publikum weg. Gleichzeitig stehen auf zahlreichen Weingütern Nachfolgeregelungen an, oft verbunden mit familiären Spannungen, kultureller Erwartung, aber auch dem Wunsch, der Tradition nachzukommen. Das ist alles andere als einfach. Hinzu kommt die grosse Herausforderung, ein jüngeres Publikum zu erreichen. Nicht weil dieses kein Interesse an Wein hätte, sondern weil es anders tickt, anders konsumiert und anders angesprochen werden will.
Aus meiner Sicht: Ja. Ich rate den Winzerinnen und Winzern, die sozialen Medien konsequent als günstige Verkaufs- und Kommunikationsplattformen zu nutzen. Das Potenzial ist aus meiner Sicht riesig, wird aber von wenigen Schweizer Betrieben wirklich genutzt. Dabei geht es nicht um Trends oder Tänze, sondern um Nähe, Einblicke und Kontinuität. Wer Nähe schafft und sichtbar ist, kann den Sprung schaffen.
Viele Betriebe machen hervorragenden Wein, zeigen aber auf den Webseiten oder in sozialen Medien fast ausschliesslich Reben, Keller oder Flaschen. Was fehlt, sind die Menschen und die Namen dahinter. Wichtig ist auch, dass die Weinsprache zugänglicher wird. Weniger Fachbegriffe, weniger Abgrenzung, mehr Emotionen und Alltag. Wein muss nicht kompliziert erklärt werden, um ernst genommen zu werden.
Wein wird oft angeboten, aber nicht wirklich vermittelt. Zu umfangreiche Weinkarten helfen bei der Auswahl wenig. Sie sind für die meisten Gäste eher abschreckend als unterstützend. Dabei trinken viele Menschen gerne Wein, haben aber wenig Fachwissen. Genau hier könnte die Gastronomie ansetzen: mehr Orientierung auf einen Blick, mehr Mut zur Vereinfachung. Erklären, ohne zu belehren. Wenn die Auswahl leichter wird und Freude macht, wird Wein auch besser angenommen.
(Gabriel Tinguely)
Dominik Inal ist Weinexperte und Initiator des Weinkollektivs. Sein Fokus liegt darauf, Wein über kreative Formate neu zu denken und Menschen einen offenen, zeitgemässen Zugang zur Schweizer Weinkultur zu ermöglichen.