Die Swiss Wine Promotion AG hat viele Aufgaben und ihr Direktor grosse Ziele.

Pierre-Alain Bapst will intensiver mit der Gastronomie zusammenarbeiten. (ZVG)
Ja, gleich mehrere. Wahrgenommen habe ich die neue Dynamik im Team. Weitere sind definiert und werden in den kommenden Monaten umgesetzt. So beginnen wir die Zusammenarbeit mit einer neuen Kreativagentur, und wir konnten einen neuen Marketingmanager engagieren. Zudem lancieren wir Ende September eine landesweite Kampagne.
«Swisswine» ist heute nur eine Marke. Wir müssen diese mit Emotionen verbinden und Weinerlebnisse schaffen, die in Erinnerung bleiben. Wir wollen Schweizer Wein einfacher und breiter kommunizieren. Das Ziel ist, wie beim Stichwort Italien, bei dem alle sofort an Dolce Vita denken, dass beim Wein Schweizerinnen und Schweizer sofort an heimische Crus denken und diese kaufen oder in Restaurants bestellen.
Wie Käse ist auch Wein ein natürliches, regionales Produkt, das mit viel Handarbeit entsteht. Davor habe ich grossen Respekt.
Ich lehne die viel gehörte Denkweise ab, dass es in Ordnung ist, allein ein Bier zu trinken, aber verpönt, alleine ein Glas Wein zu geniessen. Ich trinke gerne ein Glas Wein zum Essen. Auch wenn ich allein bin. Obwohl sich die Gesellschaft mit «kein Wein am Mittag» neue Regeln gegeben hat, gibt es kein Verbot, zum Mittagessen ein Glas Wein zu trinken.
Ein grosser Teil des Weins wird in der Gastronomie konsumiert. Deshalb spielt diese eine wichtige Rolle. Ich sehe ein sehr grosses Potenzial in der Förderung von Schweizer Wein mit dem glasweisen Ausschank. Angesichts des rückläufigen Konsums ist es von entscheidender Bedeutung, dass Gäste eine Auswahl an Schweizer Weinen glasweise geniessen können. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es, dass jedes Restaurant unseres Landes drei Schweizer Weissweine und drei Rotweine glasweise anböte.
Neben der Qualität der Speisen und der Gastfreundschaft gehört auch die Weinkarte zu den Kriterien, welche Gäste bei der Wahl eines Restaurants beeinflussen. Wir haben mit Swiss Wine Gourmet ein Netzwerk von Gastronomen aufgebaut, die Schweizer Weine in den Vordergrund stellen. Das Netzwerk steht allen Betrieben offen, welche die Kriterien für die Label mit einem, zwei oder drei Gläsern erfüllen. In Zukunft werden wir die Kommunikation über die Swiss-Wine-Gourmet-Restaurants verbessern.
Das steht in Zusammenhang mit Veränderungen der Gesellschaft. Zwei Beispiele: Mit der Reduktion der Promille-Grenze für Fahrzeuglenker und dem Rauchverbot in öffentlichen Räumen verschwanden viele Stammtische. Die Gastronomie verlor Umsatz und der Wein Marktanteile. Die Politik löst Probleme mit Verboten, nicht mit Information und dem Vertrauen in die Selbstverantwortung der Bevölkerung. Dabei ist ein Glas Wein zum Essen ein kleineres Problem als Zucker, Salz oder versteckte Fette. Heute gehen wir viel zu weit. Wenn wir nein zu Foie gras sagen, müssen viele andere Produkte auch verboten werden.
In breiten Kreisen leidet Schweizer Wein immer noch unter einem alten, verstaubten Image. Doch das trifft heute überhaupt nicht mehr zu. Wir müssen einen Mehrwert für den Schweizer Weinbau schaffen. Auch da haben wir Nachholbedarf in der Kommunikation. Die Konsumentinnen und Konsumenten sollen die Produktionsbedingungen und -kosten von Schweizer Weinen kennen. Denn diese haben Auswirkungen auf die Qualität und die Preise. Auch dass sich diese von ausländischen Weinen unterscheiden, die unter einfacheren Bedingungen hergestellt werden.
Sehr wichtig. Denn in der Gastronomie hängt die Gestaltung der Weinkarte von den Entscheidungen der Gastronomen ab. Je mehr sie über Schweizer Weine wissen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine breite Palette angeboten wird. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass Swiss Wine Promotion in diesem Bereich aktiv wird. Dazu bieten wir mit dem Swiss Wine Campus bereits eine Online-Plattform für die Schulung der Servicemitarbeitenden an.
(Gabriel Tinguely)