Kaum steigen die Temperaturen, boomt der Glaceverkauf, und die Lust auf die kühle Süssigkeit wächst. Weshalb Glace glücklich macht? Ein kleiner cooler Exkurs.

Noch immer haben die meisten Glacen Milch als Basis und verfügen daher auch über deren Nährstoffe wie Calcium und die Vitamine A, B12 und D. (Keystone-SDA)
Steigen die Temperaturen, wachsen die Schlangen vor den Glaceständen rasch an. Schweizweit wurden gemäss Glacesuisse, dem Verband Schweizer Glaceproduzenten, im letzten Jahr über die ganze Branche hinweg rund 60 Millionen Liter verkauft. Dies entspricht einem Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. «An einem heissen Julitag wird bis zu dreimal mehr Glace gegessen als an einem Regentag», so Reto Lüchinger, Verbandspräsident und Geschäftsführer von Froneri. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern liegt die Schweiz mit einem Pro-Kopf-Konsum von acht Litern im Mittelfeld. Die Spitze führen Finnland mit über 14 Litern und Schweden mit rund 12 Litern pro Person an. Für die Lust auf eine Glace an heissen Tagen gibt es einen Grund. Ein Eis, insbesondere cremige Sorten, regt die Ausschüttung von Hormonen wie Dopamin und Serotonin an, den sogenannten Glückshormonen. Studien des Institute of Psychiatry in London belegen, dass bereits ein Löffel Eis die Belohnungszentren im Gehirn aktiviert und die Ausschüttung von Dopamin anregt. Das Lebensmittel liefert zudem wegen der Kombination von Zucker und Fett schnell Energie. Florian Stähli, Geschäftsführer und Co-Gründer von Kalte Lust aus Olten/SO, weiss, wie die kühle Köstlichkeit am besten schmeckt: «Die beste Glace ist nicht die kälteste.» Direkt aus dem Tiefkühler hat sie oft eine Temperatur von minus 18 Grad Celsius. «Das ist zu kalt für Cremigkeit und Aroma», so Stähli. Das optimale Genussfenster läge bei rund minus 14 Grad Celsius. «Als Faustregel gilt eine Wartezeit im Kühlschrank von drei bis fünf Minuten.» Zudem kühlt Glace den Körper nicht, sondern wärmt ihn. «Das Gefühl von Frische ist eine Sinneswahrnehmung, kein physikalischer Effekt. Damit der Körper die Glace auf die eigene Körpertemperatur bringt, muss er zuerst Energie aufwenden», so Stähli. Eine Energie, die sich lohnt.
(Ruth Marending)