Der teuerste Kaffee

Bohnen, fermentiert im Darm einer Schleichkatze oder eines Elefanten und der Ruf der seltenen, anspruchsvollen Gesha-Variation lassen Preise teilweise in schwindelerregende Höhen steigen.

In Indonesien fressen Schleichkatzen die reifen Früchte der Kaffeepflanze, verdauen das Fruchtfleisch und scheiden die Bohnen wieder aus. Vom Waldboden eingesammelt, gereinigt und leicht geröstet wird Kopi Luwak teils für über 1000 Franken pro Kilo verkauft. Dank Fermentation im Katzendarm erhält der Kaffee laut den Herstellern ein mildes, schokoladiges Aroma. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert Black-Ivory-Kaffee. Hier sind es Elefanten im Norden Thailands, die Kaffeefrüchte fressen und die Bohnen ausscheiden. Weil die Elefanten einen grossen Teil davon zerkauen, ist die Erntemenge sehr begrenzt, was den Kaffee noch teurer macht – bis zu 2500 Franken pro Kilo. Laut Philipp Schallberger, Sensoriker und Röstereileiter der Kaffeemacher GmbH in Basel, sticht aber gerade Kopi Luwak sensorisch nicht heraus. «In einem Blindtest mit vergleichbaren Sorten würde Kopi Luwak überhaupt nicht auffallen», sagt er. Black Ivory werde als besonders mild wahrgenommen, weil im Verdauungstrakt der Elefanten viel Koffein abgebaut werde. «Das kann man auch anders erreichen.» Es sei wohl vor allem die Faszination hinter der Entstehung dieser Kaffees, die ihre Beliebtheit ausmache. «Mir selbst ist das ein Rätsel», so Schallberger. Dazu komme, dass ein Grossteil von Kopi Luwak aus Käfighaltung stamme und die Transparenz auch bei vermeintlich tierfreundlichen Produktionen mit freilaufenden Tieren nicht gegeben sei.

Es gibt aber Kaffeesorten, die so besonders sind, dass man sie aus hunderten herausschmecken würde. Eine davon ist die Gesha-Varietät. «Gesha schmeckt fast nicht nach Kaffee, sie entwickelt unglaublich florale, fruchtige Noten», sagt Philipp Schallberger. Gesha stammt ursprünglich aus Äthiopien, wurde aber Anfang der 2000er-Jahre in Panama wiederentdeckt und hat in den letzten 15 Jahren stark an Beliebtheit gewonnen. Bei der Auktion Best of Panama wurden letztes Jahr für eine Charge Gesha-Rohkaffee rekordhohe 30 204 US-Dollar pro Kilogramm erzielt. Solche Auktionspreise seien immer fiktiv, so Schallberger. «In den letzten Jahren gehen solche Spitzenchargen oft in die Golfstaaten. Dort geht es nicht darum, den besten, sondern den teuersten Kaffee anzubieten.» Dennoch seien hohe Preise für Gesha-Kaffee nicht ungerechtfertigt. Die Pflanzen sind anspruchsvoll im Anbau und liefern auch unter guten Bedingungen vergleichsweise geringe Erträge. Produzenten brauchen ein grosses Fachwissen und erstklassige Verarbeitungsanlagen, um das Potenzial der Kaffeebohnen auszuschöpfen. Darum ist es laut Schallberger auch eine Tatsache, dass nur die allerwenigsten Produzenten von Trend-Produkten und Höchstpreisen profitieren. «Das hat viel mit sozialem Kapital zu tun. Nur wer sich vernetzen, das nötige Wissen generieren und Marketing betreiben kann, hat da eine Chance.»

(Alice Guldimann)


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