Tobias Wolfram ist gelernter Raumausstatter. Im Hotel Baur au Lac in Zürich sorgt er als Tapezierer dafür, dass Vorhänge, Möbel, Storen und Teppiche stets sauber und perfekt in Schuss sind.

«In der Hotellerie zu arbeiten ist viel abwechslungsreicher und interessanter, als in der Werkstatt einer klassischen Polsterei», findet Tobias Wolfram.(RIF)
Angestellt ist Tobias Wolfram mit einem 100-Prozent-Pensum bei der H. Kracht’s Erben AG, zu der das Hotel Baur au Lac gehört. Sein Arbeitsort ist ein Atelier im Souterrain dieses Hotels. Unter den Fenstern stehen zwei Nähmaschinen. Daneben hängt ein Bord mit Garnspulen in allen erdenklichen Farben. In raumhohen Regalen türmen sich Stoffe, Schaumstoffe, Troddeln, Bordüren, Werkzeuge und vieles mehr. Im Zentrum des Ateliers steht ein etwa zwei auf zwei Meter grosser Tisch. Dieser dient Tobias Wolfram zum Abmessen und Zuschneiden von Stoffen sowie als Werkbank.
«Meine Arbeit besteht darin, Möbel, deren Stoffe unansehnlich oder kaputt sind, neu zu beziehen. Ich bin auch für die Pflege und Funktionstüchtigkeit aller Rollos, Gardinen und Markisen zuständig. Zudem nehme ich dem Housekeeping die Reinigung von Textilien, die hartnäckige Flecke aufweisen», ab, beschreibt der Tapezierer sein Aufgabengebiet.
Der Fachbegriff Tapezieren umfasst alle Tätigkeiten, bei denen Wände, Möbel und Gegenstände mit Textilien bezogen werden. Dinge zu verschönern und ihren Wert durch gute Pflege und sachgemässe Reparatur zu erhalten, bereitet Tobias Wolfram Freude.
«Ich stecke viel Herzblut in meine Arbeit und pflege damit das Vermächtnis meines Vaters. Er hat mir das Handwerk beigebracht.» Tobias Wolfram ist in der ehemaligen DDR aufgewachsen. «Bereits mein Grossvater und mein Vater waren Raumausstatter», erzählt er. «Die Materialbesorgung in der DDR war nicht einfach. Darum musste alles langlebig und strapazierfähig sein. Das hat mich geprägt. Ausserdem habe ich gelernt zu improvisieren.»
Tobias Wolfram Tapenzierer
Heute führt der 50-Jährige viele seiner Arbeiten auf konkreten Wunsch der Innenarchitekten aus, die für das «Baur au Lac» tätig sind. Manchmal unterbreitet er eigene Vorschläge und stellt zur Ansicht ein Model seiner Idee her. Gefällt sein Werk dem Designer und wird seine Idee übernommen, freut sich Tobias Wolfram sehr.
Noch mehr jedoch freut sich der Tapezierer, wenn er die Gäste durch seine Arbeit begeistern kann. Zum Beispiel mit den 25 Stühlen, die er kürzlich für den Salon Japonais komplett neu beziehen und damit zum neuen Look des Raums beitragen durfte.

Die frischbezogenen Stühle im Salon Japonais sind Tobias Wolframs Werk. (ZVG)
Obschon Tobias Wolfram im Hintergrund wirkt und kaum Kontakt mit Gästen hat, gefällt ihm die Hotellerie als Arbeitsort ausgesprochen gut. Die Arbeit sei abwechslungsreicher als in einer Polsterei. Zudem sei der Arbeitstag weniger vorhersehbar, da er sofort reagieren müsse, wenn in einem Zimmer ein Rollo klemme oder ein Fleck zu entfernen sei. «In Hotels herrscht einfach ein besonderes Flair. Darauf möchte ich nicht mehr verzichten.»
(Riccarda Frei)