Paolo Loraschi wurde mit dem «Mérite Culinaire 2026» ausgezeichnet. Für den Tessiner Confiseur ist die Ehrung Ansporn und Verantwortung und zugleich eine Wertschätzung für seinen Beruf.

Trotz Auszeichnung will Paolo Loraschi stets weiter über sich hinauswachsen. ZVG
Diese Auszeichnung ist für mich kein Schlusspunkt, sondern eine Bestätigung, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Sie ist ein Ansporn, mit noch mehr Leidenschaft, Demut und Verantwortungsbewusstsein weiterzuarbeiten – gegenüber meinem Beruf und gegenüber den Menschen, mit denen ich ihn teilen darf. Eine Auszeichnung dieser Art ist nie nur das Verdienst einer einzelnen Person. Sie gehört auch all jenen Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Und ohne Zweifel verdanke ich sie auch der Unterstützung meiner Familie.
Die Reaktion war sehr herzlich. Meine Familie hat meine Freude geteilt, weil sie weiss, wie viel täglicher Einsatz dieser Beruf erfordert. Auch Freunde, Kolleginnen, Kollegen und Mitarbeitende haben mit Begeisterung und Stolz reagiert. Für mich ist diese Auszeichnung deshalb nicht nur ein persönlicher Erfolg, sondern auch eine Anerkennung für das ganze Team, das jeden Tag dazu beiträgt, hohe Standards zu erreichen.
Confiserie ist nicht nur Kreativität und schön anzusehende Süssware. Sie bedeutet auch Präzision, Technik, Disziplin und Leidenschaft. Denn hinter jedem Produkt stehen fundiertes Wissen, unzählige Stunden Übung und die stetige Qualitätsoptimierung. Die Aussage, dass wir einfache Zutaten in unvergessliche Momente verwandeln, beschreibt unsere Arbeit sehr treffend. Aus Mehl, Butter, Zucker und Schokolade schaffen wir Emotionen, Erinnerungen und geteilte Erlebnisse. Die Confiserie ist Handwerk, das technisches Können und künstlerisches Feingefühl verbindet.
Ich würde ihnen raten, Geduld, Neugier und Ausdauer mitzubringen. In diesem Beruf lernt man nie aus. Jede Erfahrung, jeder Fehler und jede Herausforderung sind eine Gelegenheit zu wachsen. Wer an die Spitze will, braucht Disziplin, Einsatz und Leidenschaft, aber auch Demut und die Bereitschaft, sich immer wieder neu zu beweisen. Wichtig ist ein solides technisches Fundament. Junge Berufsleute sollten von den Besten lernen, praktische Erfahrung sammeln, an Berufswettbewerben teilnehmen und den Qualitätsanspruch stets hochhalten.
Absolut. Sie müssen unbedingt ihre eigene Handschrift entwickeln. Denn heute machen auch Persönlichkeit und Vision den Unterschied. Vor allem aber sollten sie nie die Freude am Kreieren verlieren und ihren Träumen folgen, aber sich auch bewusst sein: Ein Traum ohne Einsatz bleibt nur eine Idee.
Exzellenz in der Confiserie bedeutet für mich, Technik, Qualität, Kreativität und Emotion stimmig und authentisch zu verbinden. Es geht nicht nur darum, ein Produkt herzustellen, das ästhetisch oder technisch perfekt ist. Es geht darum, etwas zu schaffen, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Exzellenz zeigt sich auch in der Beständigkeit: jeden Tag hohe Standards halten, jedes Detail pflegen und die Rohstoffe sowie das handwerkliche Arbeiten respektieren. Weiter bedeutet Exzellenz, sich laufend weiterzuentwickeln, neugierig zu bleiben und offen für Innovation zu sein – ohne die eigene Identität zu verlieren.
Ich hoffe, dass junge Berufsleute den Wert von Handwerk und Qualität lebendig halten. Sie sollen verstehen, dass in jeder Kreation nicht nur Technik steckt, sondern auch Emotion, Feingefühl und die Freude daran, Menschen einen besonderen Moment zu schenken. Wichtig ist auch, den Unterschied zwischen Hingabe und Verzicht zu verstehen. Hingabe bedeutet, Anstrengungen und Schwierigkeiten anzunehmen, um an ihnen zu wachsen. Verzicht bedeutet, bewusst zu entscheiden, was wirklich wichtig ist. Wenn junge Talente einen Traum haben, sollen sie ihn schützen und jeden Tag so fest daran arbeiten, als wäre er bereits Wirklichkeit.
(Andrea Decker)