Zur Vorbereitung der Schweizer Kochnational-mannschaften auf die Koch-WM gehört auch das Mentaltraining. Ein Einblick.

Volle Konzentration: Der Wettbewerbsablauf wird mental durchgespielt. (ZVG)
Vor Beginn des Trainings der Kochnationalmannschaft in den Trainingsräumen bei Electrolux Professional in Sursee/LU wird es ruhig: Die Sitzungstische weichen Yogamatten, das Team setzt sich hin und atmet tief durch. «Wir beginnen diesmal mit einer Aktivierung, um durch Atemübungen auf eine andere Frequenz zu gelangen», sagt Mentaltrainer Andreas Fleischlin. Stossweise wird durch die Nase ausgeatmet, während die angewinkelten Arme Richtung Boden pumpen. «Die Übung ist anstrengend, sie bringt einen schnell an die Grenzen», erklärt Fleischlin im Anschluss. «Auch in solchen Situationen durchzuziehen, gehört zum Training dazu.»
Danach legen sich die Teammitglieder hin – eine mentale Reise an die Koch-WM in Luxemburg beginnt. Andreas Fleischlin führt das Team zunächst ins Backoffice, wo alles vorbereitet wird, dann in die riesige, laute Halle, wo der Wettbewerb stattfindet. Jedes Küchengerät wird in Gedanken mit positiver Energie aufgeladen, bevor das Wettbewerbsprogramm im Schnelldurchlauf vor den Augen der Teammitglieder vorbeizieht. «Je tiefer die Prozesse im Unterbewusstsein abgespeichert sind, desto besser könnt ihr sie vor Ort abrufen», erklärt Fleischlin.

Mentaltrainer Andreas Fleischlin war früher unter anderem Hotelier und Geschäftsführer des Schweizer Kochverbands.
Die mentale Reise geht weiter bis zur Rangverkündigung und aufs Podest. Das Team verankert den Gedanken, Weltmeister zu sein, im Unterbewusstsein – und verknüpft die entsprechenden Gefühle mit dem Wettbewerb. Danach kommen die Teammitglieder langsam wieder zurück ins Hier und Jetzt. «Das Gefühl, Weltmeister zu sein, nehmt ihr mit in den Tag», sagt der Mentalcoach. «Jede Zelle in euch ist auf den Sieg programmiert.»
Bei den Mentaltrainings mit dabei ist jeweils auch Teammanager Marco Steiner. Er ist überzeugt, dass das Mentaltraining bei der WM-Vorbereitung eine wichtige Rolle spielt: «Es hilft den Teammitgliedern, Selbstvertrauen und einen guten Teamspirit aufzubauen.» Ausserdem falle es dem Team dadurch leichter, am Wettbewerb alles andere auszublenden und sich ganz auf die Aufgabe zu konzentrieren.
Das sieht auch Teammitglied Dominik Altorfer so. «Ich bin überzeugt, dass das Mentale 30 bis 40 Prozent des Erfolgs ausmacht», sagt er. «Allerdings muss man die Werkzeuge, die wir hier in die Hand bekommen, auch anwenden – ohne regelmässiges Üben geht es nicht.» Auch Paula Obertanner spürt die Wirkung des Mentaltrainings: «Mittlerweile kann ich mich viel besser konzentrieren und mich schnell aus einem Tief herausholen.»
Dass man sich auf das Mentaltraining einlässt, ist gemäss Andreas Fleischlin entscheidend: «Wer dem Ganzen skeptisch gegenübersteht, kann die Glaubenssätze und Energie nicht wirklich zulassen.» Nur, wenn der Wettbewerbsablauf tief im Unterbewusst-sein verankert ist, entfaltet das Mentaltraining seine ganze Wirkung. Denn Weltmeister werden kann nur, wer auch tatsächlich daran glaubt, Weltmeister werden zu können.
(Angela Hüppi)