Vier Monate vor dem Culinary World Cup in Luxemburg ändern die Organisatoren die Spielregeln. Marco Steiner, Teammanager der Schweizer Kochnationalmannschaften, spricht von einschneidenden Anpassungen – aber auch von einer Chance für die Schweiz.

Die Vorbereitungen der Schweizer Kochnationalmannschaften auf die Koch-WM laufen auf Hochtouren. (Roy Matter)
Seit anderthalb Jahren trainieren die Schweizer Kochnationalmannschaften hart für den bevorstehenden Culinary World Cup. Immer wieder werden die Abläufe geprobt und Gerichte bis zum letzten Handgriff perfektioniert – in Luxemburg muss jedes Detail sitzen, um die beiden Weltmeistertitel von 2022 verteidigen zu können. Nun gibt es einen Dämpfer: Wenige Monate vor dem Wettbewerb wurden die teilnehmenden Länder informiert, dass es Änderungen im Reglement gibt.
«Diese Kurzfristigkeit ist für uns unverständlich», sagt Teammanager Marco Steiner. Denn das Reglement sei bereits seit einem Jahr bekannt – und man habe sich in den Vorbereitungen strikt daran gehalten. Zudem handle es sich bei den Änderungen keineswegs um Kleinigkeiten. So wurde unter anderem die Zahl erlaubter Formen stark eingeschränkt: Neu dürfen für die Wettbewerbsaufgabe Hot Kitchen, für welche ein Drei-Gang-Menü zubereitet werden muss, nur noch zwei Formen sowie zwei Schablonen verwendet werden. Für die zweite Wettbewerbsaufgabe Chef's Table sind es noch vier Formen und vier Schablonen plus zwei Terrinenformen. «Damit jeder Teller gleich aussieht, setzen gerade die Top-Teams stark auf Formen», erklärt Steiner. Man müsse nun daher über die Bücher und manche Komponenten anders zubereiten.
Eine weitere Änderung betrifft das Porzellan für den Chef's Table. Wurde zunächst mitgeteilt, dass man dafür sein eigenes Geschirr mitbringen darf, gilt es nun, wie beim Drei-Gang-Menü das vorgegebene Geschirr von Hauptsponsor Rak zu benützen. «Beim vorgeschlagenen Porzellan handelt es sich um ziemlich ungewöhnliche Stücke mit speziellen Formen. Daher werden wir unsere Gerichte bezüglich Design und Anrichten anpassen müssen», sagt Marco Steiner.
Für den Teammanager und sein Coaching-Team sind die kurzfristigen Änderungen ärgerlich: «Letztlich haben wir nun viel Zeit und Ressourcen verschwendet, die wir besser hätten einsetzen können.» Routinen, die sich die Teammitglieder in vielen Trainings zugelegt haben, müssen neu aufgebaut werden. Unterkriegen lasse man sich aber nicht. Immerhin hätten alle Teams dieselben Voraussetzungen. «So kann es im Wettbewerbs-Business leider laufen. Das Wichtigste ist, dass wir uns davon nicht verunsichern lassen.» Die neue Situation sieht er auch als Chance: «Als Titelverteidiger haben wir nun die Möglichkeit, zu beweisen, dass wir schnell reagieren und aus dieser Situation das Beste machen können. Das Know-how dafür haben wir auf jeden Fall. Vielleicht ist das die Extrameile, die es braucht, um den Titel zu verteidigen.»
(Angela Hüppi)