Eine Quartierbeiz in Frauenhand

Im Restaurant Huberta in Zürich denken die Gastgeberinnen Schweizer Gerichte neu.

Die «Huberta»-Karte ist klein, aber fein. Den Chefinnen ist wichtig, verschiedene Bedürfnisse abzudecken. (Miguel Tupak)

Manchmal sind Zufallsbegegnungen lebensverändernd. Als Nina Wild vor einigen Jahren eine Köchin für ein Pop-up von Frauen für Frauen suchte, fand sie über eine einfache Google-Suche Mirjam Eberle. Das Projekt kam wegen Corona nicht zustande, doch der Kontakt hielt und die beiden arbeiteten seitdem ab und an aushilfsweise zusammen. «Wir haben von Anfang an gut miteinander harmoniert», erinnert sich Eberle. Vor ungefähr zwei Jahren suchten beide eine Karriereveränderung. «Ich hatte keine Lust mehr auf Chefs», sagt Nina Wild, die damals als Köchin in einem Restaurant angestellt war. Mirjam Eberle, die selbständig ein Catering-Unternehmen führte, wünschte sich wieder mehr Zusammenarbeit. «Es ist schöner, gemeinsam zu planen und Erfolge zu feiern.»

Alle sollen sich wohl fühlen

So entstand das Restaurant Huberta. Das Lokal an der Zürcher Albisriederstrasse beherbergte 18 Jahre lang ein griechisches Restaurant und wurde zum richtigen Zeitpunkt frei. Gastraum und Küche hatten eine Renovation nötig. Der alte Plattenboden wurde durch Parkett ersetzt, die Wände rosa gestrichen und das Highlight – die Bar – mit grün schimmernden Fliesen installiert. «Wir wollten den Raum nicht komplett verändern. Den alten Täfer haben wir zum Beispiel erhalten, um Alt und Neu zu verbinden», sagt Mirjam Eberle. Die Ausstattung wollten sie so gestalten, dass die Gäste sich willkommen fühlten. Nicht zu cool oder abgehoben und mit einer Prise Humor. So grüsst auf der Bartheke eine Gänsefigur mit Schirm-Hut, im rosa Bad steht eine Schaufensterpuppe.

Die Eröffnung fand am 14. Februar 2026 statt. Entsprechend einer Quartierbeiz soll das Huberta für alle zugänglich sein – auch beim Essen. «Man soll mit Freundinnen zu uns kommen können, ohne vorher nachschauen zu müssen, ob alle etwas finden. Sei es mit Fleisch, vegan oder glutenfrei.» Das bedeute bei der kleinen Karte etwas Planungs-Tetris, sei aber gut machbar. Die Gastgeberinnen bringen Berufserfahrung aus der Schweizer Küche mit und wollen diese weiterdenken. Auf der aktuellen Vorspeisenkarte stehen zum Beispiel frittierte Pouletflügeli neben essigmarinierten Sardellen und einer Randen-Buttermilch-Kaltschale. Zum Hauptgang gibt es unter anderem Lammbällchen an Tomaten-Peperoni-Sauce, geschmorten Fenchel und Forellenfilet mit Kräuter-Knobli-Brösmeli.

Zwei, die sich ergänzen

Das Menü planen die Gastgeberinnen gemeinsam: «Beide machen wir Vorschläge, worauf wir gerade Lust haben», sagt Nina Wild. Im Austausch wird ausgewählt und verfeinert. «Wir haben beide unsere Fantasie und Ideen», sagt Mirjam Eberle. «Wenn diese zusammenkommen, wird das Ergebnis noch besser.» Das Wichtigste bei der Zutatenwahl ist die Saisonalität. Wo möglich, kommen Schweizer Produkte zum Einsatz.

Bei der Renovation des Gastraumes haben die Gastgeberinnen mitangepackt.

Unterstützt werden Wild und Eberle von einem rein weiblichen Team. Viele der Mitarbeiterinnen schätzten das sehr. «Wir wollen eine Arbeitsatmosphäre schaffen, in der alle sich wohl fühlen», sagt Nina Wild. Sie habe es oft genug anders erlebt. «Wir schliessen es nicht aus, dass Männer bei uns arbeiten. Aber es ist so gewachsen und funktioniert bis anhin sehr gut.» Viele der Mitarbeiterinnen arbeiten in kleinen Pensen. «Wir wollen die Arbeit so aufteilen, dass alle so viel leisten, wie sie mögen, und dafür frisch und motiviert dabei sind», so Wild. Sie selbst seien physisch etwa 80 Prozent vor Ort, nachdem sie in den ersten drei Monaten die Küche alleine gestemmt hatten.

Das Konzept sei gut angenommen worden, erzählt Mirjam Eberle. «Wir hatten viel Arbeit, aber nie die Sorge, dass Gäste fehlen.» Jetzt stehen die Sommerferien vor der Tür, bevor das Huberta-Team wieder Gas geben will. Besonders freut es die Geschäftsführerinnen, dass bald die erste Lernende ihre Ausbildung startet. Bisher war sie als Abwäscherin im Huberta tätig.

(Alice Guldimann)


Mehr Informationen unter:

huberta.ch


Fakten und Zahlen

Sitzplätze

50 innen, 40 aussen.

Öffnungszeiten

Di. bis Fr.: 11.30–14; 18–23 Uhr Sa.: 18–23 Uhr

Mitarbeitende

14 Personen, pro Schicht fünf bis sechs.

Ausgezeichnet

Nina Wild wurde 2023 bei den Swiss Vegan Awards «Newcomerin des Jahres».