Die Gastkolumne von Carmen Himmel, Direktionsassistentin, Kartause Ittingen, Warth/TG.
«Meine Freundin und ich haben uns verlobt und möchten uns die Möglichkeiten für eine Hochzeit bei Ihnen anschauen.» Auf ein solches Anliegen gibt es viele mögliche Reaktionen – von «Ja...?» bis «Oh, wie schön, herzliche Gratulation!» Oder auf eine Anfrage für ein Leidmahl: «Da muss ich zuerst schauen...», oder aber «Herzliches Beileid. Es gibt wahrlich schönere Anlässe. Lassen Sie mich kurz schauen, ob wir am Freitag Kapazität für einen würdigen Rahmen haben.» Wenn die Reaktion ehrlich gemeint ist und weder aufgesetzt noch zu standardisiert wirkt, fühlt sich der Gast wahrgenommen. Haltung und Worte können die Qualität auf der Beziehungsebene stark beeinflussen. Menschliche Beziehungen sind das Fundament für alles, was wachsen soll. Bereits in der frühen Kindheit entwickeln wir mehr oder weniger Empathie. Später lässt sich Empathie bewusst weiterentwickeln. Sie zeigt sich auf unterschiedliche Weise. Die eine Person hört aufmerksam zu, ohne vorschnell zu glauben, bereits zu wissen, was gesagt werden will. Eine andere begegnet ihrem Gegenüber mit echter Unvoreingenommenheit und einer offenen, zugewandten Haltung. Wieder jemand anderes nimmt feine Stimmungen und unausgesprochene Bedürfnisse intuitiv wahr. Empathie setzt eine gute Sozialkompetenz, eine aufrichtige innere Haltung sowie Interesse am Gegenüber und seinem Anliegen voraus. Sind wir empathisch, zeigen wir Wertschätzung. Diese wirkt emotional, zwischenmenschlich – und manchmal sogar biochemisch. Denn Gäste erinnern sich oft weniger daran, was wir gesagt haben, als daran, wie wir sie haben fühlen lassen.
